Schlagwort: Antisemitismus
Artikel Antisemitismus in Deutschland: Video zeigt Angriff in Berlin
Artikel Antisemitismus in Deutschland: Video zeigt Angriff in Berlin
Adam und sein Freund tragen eine jüdische Kippa – sie wollen zeigen wie sicher es für Juden ist, sich in Berlin zu bewegen. Kurz nachdem sie ihre Wohnung im Prenzlauer Berg verlassen, entsteht dieses Video: Es zeigt, wie sie beschimpft und mit einem Gürtel ausgepeitscht werden. Die Debatte über Antisemitismus in Deutschland entfacht erneut.
Dienstagabend verließen der 21-jährige Adam und sein Freund das erste Mal das Haus mit einer Kippa – einer traditionellen, jüdischen Kopfbedeckung. Plötzlich kamen drei Männer auf sie zu und fingen an sie auf Arabisch zu beschimpfen, berichtete Adam der Deutschen Welle. Erst versuchten sie das zu ignorieren und einfach weiterzulaufen, doch irgendwann forderte sein Freund sie dazu auf aufzuhören. Dann wurde einer der Angreifer sehr aggressiv und rannte auf Adam zu. An diesem Punkt holte er sein Smartphone raus, um zu filmen was passiert.
Antisemitischer Angriff in #Berlin – ein Mann schlägt mit einem Gürtel auf einen Mann ein und bezeichnet ihn wiederholt als „Yahudi“ (arabisch für „Jude“). #Antisemitismus pic.twitter.com/YCHVgCF1ox
— Jüdisches Forum (@JFDA_eV) 17. April 2018
„Ich wollte einen Beweis für die Polizei haben und, dass die Deutschen sehen, ja im Grunde, dass die Welt sieht, wie schrecklich es ist, in diesen Tagen als Jude durch Berlins Straßen zu laufen“, sagt der Student in einem Interview. Das Video zeigt nun aller Welt, wie der Angreifer mit einem Gürtel mehrfach auf die scheinbaren Juden einschlägt und „Jahudi“ (arabisch für Jude) ruft. Dann zogen sich die Angreifer zurück. Doch da Adam ihnen folgte, versuchte der Täter erneut ihn zu attackieren – diesmal mit einer Flasche. Eine Zeugin ging dazwischen und verhinderte Schlimmeres.
Ein Experiment im Prenzlauer Berg
Doch tatsächlich ist Adam gar kein Jude. Der gebürtige Araber wuchs atheistisch auf und studiert nun in Deutschland. Die beiden jüdischen Kopfbedeckungen waren ein Geschenk eines Freundes aus Israel. Dieser warnte sie davor, die Kippas in Deutschland auf der Straße zu tragen. Es sei nicht sicher. Da die beiden das nicht glauben konnten, machten sie den Selbstversuch.
Was in einem „schrecklichen Vorfall“ endete, wie Merkel ihn nannte, sorgte für viel Aufmerksamkeit und lässt das Thema des Antisemitismus in Deutschland auch nach der ECHO-Verleihung nicht abklingen. Merkel will die antisemitisch-motivierte Gewalt nicht einfach so hinnehmen und rief am Mittwoch zum Kampf gegen solche antisemitischen Ausschreitungen auf. „Hier muss mit aller Härte und Entschlossenheit vorgegangen werden“.
Zwei Tage nach dem Angriff auf Adam uns seinen Freund hat sich der 19-jährige Täter freiwillig bei der Polizei Berlin gestellt. Es soll ein Haftbefehl gegen ihn eingeleitet werden. Welche Strafe ihn erwarten könnte, ist noch unklar.
Veröffentlicht am: 19.04.2018 in Artikel
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Artikel Symbol der Schande: Statement von Klaus Voormann zu ECHO-Rückgabe
Artikel Symbol der Schande: Statement von Klaus Voormann zu ECHO-Rückgabe
Der Skandal um den ECHO 2018 geht weiter. Schon zuvor war die Preisvergabe an die Rapper Kollegah und Farid Bang aufgrund ihrer antisemitischen Texte heftig kritisiert worden. Aus Protest gab jetzt der deutsche Bassist Klaus Voormann, auch bekannt als der Fünfte Beatle, den ECHO für sein Lebenswerk zurück. Hier könnt ihr sein ganzes Statement lesen.
Am 12. April 2018 wurde der ECHO verliehen. Der Preis gilt als renommiertester der deutschen Musikszene – doch der anhaltende Skandal um die diesjährige Vergabe bringt sein Image ins Wanken. Als Gewinner der Kategorie Hip-Hop/
Als Folge auf den ECHO für Kollegah und Farid Bang hat nun der diesjährige Gewinner des ECHOs für das Lebenswerk, Klaus Voormann, seinen Preis zurückgegeben. Der 79-jährige Bassist wurde für seine musikalische Arbeit, darunter mit den Mitgliedern der Beatles, Nena und Marius Müller-Westernhagen, ausgezeichnet. Auf der Webseite der befreundeten Band BAP veröffentlichte Voormann das folgende Statement:
Statement Klaus Voormann zur Rückgabe seines Lebenswerk-ECHOs:
„Ich habe ursprünglich mit Freude den Lebenswerk ECHO angenommen, da man bei mir anscheinend nicht nach Verkaufserfolg und Umsatzzahlen ging, sondern meine künstlerische Leistung würdigen wollte. Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung. In welchem Würgegriff stecken die ECHO-Verantwortlichen, dass sie nicht in der Lage sind dem größten deutschen Musikpreis einen würdigeren Rahmen zu gewährleisten? Was muss passieren, dass ein ECHO-Ethikrat Konsequenzen ergreift und eine Nominierung – trotz Megaumsätze eines Albums – aus ethischen Gründen ablehnt?
Ich bin seit vielen Jahren aus der Musikszene raus, habe mich vom hiesigen Medienrummel meist rausgehalten und bin deshalb nicht informiert was hierzulande alles lief und läuft. Aus diesem Grund war ich mir vor der Verleihung nicht sicher ob ich teilnehmen soll, oder ob ich vielleicht fehl am Platze bin. Für mich hat sich Letzteres bestätigt.
Ich habe mir nun bewusst Zeit gelassen mir mein eigenes Bild über die gesamte Situation zu machen, da ich selbst am ECHO-Abend nicht wusste, um was es überhaupt ging. Ich habe mich z.B. nicht nur darauf beschränkt den Text von „0815“ ganz zu lesen sondern auch mehrere Lyrics des umstrittenen nominierten Albums „ JBG3“. Provokation ist erlaubt und manchmal sogar notwendig um Denkanstöße zu geben. Aber es darf nicht die Grenze zu menschenverachtende, frauenfeindliche, rassistische, antisemitische, gewaltverherrlichende Äußerungen und Taten überschritten werden. Genau diese Attribute treffen im gegebenen Fall zu, und das hat für mich nichts mehr mit der Kunstform guter Hip-Hop- und Rap-Interpreten zu tun wie ich es beispielweise von Anfang an bei einem Eminem schätzte.
Woher kommt es, dass derartige Entgleisungen hierzulande so erfolgreich sind und von Sendern wie VOX sogar noch gefeatured werden? Welche Maschinerie steckt dahinter und füllt sich damit die Taschen? Statt der aufgeheizten Stimmung entgegen zu wirken setzt man noch eine martialische Performance drauf. Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen lassen indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat -und das obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben – zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung. Ging es wieder einmal nur um die Quote oder wes Geistes Kind ist VOX? Als alte Profis fühlten Wolfgang und ich uns verpflichtet auf die Bühne zu gehen, auch um zu versuchen die Stimmung im Saal zu heben, um den aus den Fugen geratenen Abend zu einem positiveren Ausklang zu verhelfen. With (more than) a Little Help from my Friends Wolfgang und Paul (McCartney) ist dies offensichtlich gelungen.
Zwei Burschen aufgrund ihrer entgleisten Texte jetzt an den Medienpranger zu stellen verhilft zu einer noch größeren Plattform. Das Erschütternde für mich ist die Tatsache, welche Verrohung in unsere Gesellschaft Einzug gefunden hat – und das nicht erst seit „JBG3“- und dafür gibt es seit Donnerstagabend auch noch den wichtigsten Musikpreis in Deutschland vor Millionenpublikum.
Die Nominierungen, getoppt von der daraus resultierenden Preisverleihung machen einen ECHO-Ethikrat und alle an diesem Abend vergebenen ECHOS zur Farce. Nach langem Überlegen habe ich mich heute entschieden meinen ECHO zurück zu geben. Dies geschieht, um mein Unverständnis auszudrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen.
Klaus Voormann
München, 15. April 2018“
Quelle: http://www.bap.de/start/aktuell/aktuell/statement-klaus-voormannecho-fürs-lebenswerk-rückgabe
Symbol der Schande
Am Sonntag hatte das Notos Quartett bereits ihre ECHO-Auszeichnung aus dem Jahr 2017 zurückgegeben. Die Berliner Nachwuchskünstler sind laut ihrem Facebook-Post „erschüttert“ über die Preisvergabe an Kollegah und Farid Band, die Urheber der antisemitischen Texte. Das Quartett wolle sich mit der Geste davon distanzieren und prägte zeitgleich die Bezeichnung des ECHOs als „Symbol der Schande“.
Musiker wie Peter Maffay, der bereits am Tag der ECHO-Verleihung selbige stark kritisiert hatte, bedankt sich bei seinem Musiker-Kollegen Voormann für die Geste:
Kunstfreiheit
Die Veranstalter des ECHO sprechen im Falle von Kollegah und Farid Bang von künstlerischer Freiheit – „auch, wenn es sich um einen Grenzfall handelt“. Der Preis sei das Ergebnis von Verkäufen und einer darauf folgenden Juryabstimmung, so Dr. Florian Drücke, Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, in einem schriftlichen Statement. Der Bundesverband bedauere die anhaltende Diskussion um die Gewinner und will ab sofort die Vergabe des Preises durch ein anderes System erarbeiten. Die Nominierung des Albums sei jedoch gerechtfertigt.
Titelbild: J. Steinmetz / voormann.com
Veröffentlicht am: 16.04.2018 in Artikel
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