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Artikel Der große dbate-Jahresrückblick 2017
Artikel Der große dbate-Jahresrückblick 2017
Schlimmer als das verhexte 2016 konnte 2017 ja nicht werden, oder? Damals beschäftigte uns der zunehmende Populismus in Europa, politische Unruhen in der Türkei, der globale Terrorismus, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsident und die Brexit-Entscheidung. Doch das Katastrophenjahr hinterließ so seine Spuren. Viele Ereignisse zeigten erst in diesem Jahr ihre Folgen. Wir haben euch die besten Videos des Jahres zusammengestellt – im großen dbate Jahresrückblick.
Januar: Trump wird Präsident
In diesem Jahr gab es einen Mann, der sicherlich für die meisten Schlagzeilen gesorgt hat. Donald Trump wurde am 20. Januar in das Amt des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gehoben. Was darauf folgte war ein Jahr voller Kritik und Spott – dank seiner fragwürdigen Aktionen, provokanten Äußerungen und nicht zuletzt seiner Liebe zu Twitter. Seine Ansage zum Amtsantritt lautete „America First“. Über die nächsten Wochen folgten darauf lustige bis satirische Anwärter aus der ganzen Welt. Den Start machte eine Late-Night-Sendung aus den Niederlanden, die sich in Trump-Manier als „Netherlands Second“ bewarb.
Februar: Dutertes Drogenkrieg
Über 7.000 Tote hat der brutale Anti-Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte bereits gefordert. Mit sogenannten extralegalen Morden versucht er, dem Drogenproblem auf den Philippinen Herr zu werden. Wer darunter leidet, sind vor allem die armen Menschen, berichten Journalisten und Bewohner des Landes. Unsere Web-Doku zeigt die dramatischen Lebensumstände der Filipinos unter Duterte.
März: Deutsch-türkische Beziehungen
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan veranlasste dieses Jahr ein Referendum, nach dem in der Türkei ein Präsidialsystem möglich werden sollte. Im Vorfeld sollten dafür auch in Deutschland türkische Minister Wahlkampfveranstaltungen durchführen. Doch diese wurden teils untersagt – der Grund: Die Türkei würde keine demokratischen Werte mehr vertreten. Erdogan war empört und verglich diese Entscheidung mit „Nazi-Praktiken“. Wir hatten im März mit Menschen auf der Straße gesprochen, was sie von der Debatte halten.
April: „Fotzen-Arschloch“
Brexit, Trump, AfD, „Volksverräter“, Fake-News. Das Vertrauen in „die da oben“ schwand im letzten Jahr zunehmend. Politische Debatten wurden in sozialen Medien geführt – mal belebend, oft verletzend. Gerüchte und Verschwörungstheorien kamen so ungebremst in Umlauf. Die Dokumentation „Nervöse Republik“ bildete die Stimmung in der deutschen Bevölkerung ab. Als Teil der Doku, forderte der Autor des Films, Stephan Lamby, Politiker und Journalisten dazu auf, an sie adressierte Hass-Mails vorzulesen.
Mai: Macron, der Retter Europas?
Es war fast überall in Europa zu spüren: Das Erstarken der Rechtspopulisten. So kam es auch bei der Präsidentenwahl in Frankreich zu einem Tête-à-tête zwischen dem liberalen Emmanuel Macron und der rechts außen stehenden Marine Le Pen vom Front National. Sieger wurde Macron – ein Zeichen für Europa. Aber für wie lange? „Viele sagen, 2017 sei vielleicht nicht das Jahr des Front National, aber 2022 könnte ihr Jahr werden“, so die Journalistin Amandine Sanchez, die bei der Wahl und den anschließenden Protesten gegen Macron vor Ort war.
Juni: Alexander Gauland zu Deniz Yücel
Seit dem 27. Februar 2017 sitzt der WELT-Journalist Deniz Yücel in türkischer Untersuchungshaft – lange Zeit ohne zu wissen, was ihm vorgeworfen wird. Er solle Mitglied einer Terrororganisation sein, lautet später im Jahr die offizielle Anklage. In seiner Heimat Deutschland kam mit seiner Verhaftung eine riesige Solidaritätsbewegung ins Rollen. Unter #FreeDeniz wurde nicht nur die Freiheit des deutsch-türkischen Journalisten bei Demos, Autokorsos und mit zahlreichen Briefen gefordert. Auch die Freiheit aller in Folge des Putschversuchs in der Türkei willkürlich Inhaftierten. Im Juni trafen wir den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und fragten ihn, ob auch er sich solidarisch zeigt.
Juli: Krawalle zum G20-Gipfel
Ein besonders einschneidendes Ereignis war der G20-Gipfel in Hamburg. Vom 6. bis 8. Juli kam es zu zahlreichen Demonstrationen und Ausschreitungen gegen das Treffen der 20 größten Industrie- und Schwellennationen in der deutschen Hansestadt. Im berühmt-berüchtigten Schanzenviertel eskalierten dann die Krawalle: Hunderte Menschen wurden verletzt und Sachschäden in Millionenhöhe sind entstanden. dbate war an allen Tagen des Gipfels live vor Ort und zeigte auch „am Tag danach“ die mutwillige Zerstörung im Hamburger Schanzenviertel.
August: Leben im „Nazidorf“ – ein Ehepaar leistet Widerstand
Die Diskussion über Rechtsextremismus fing schon nach der „Flüchtlingskrise“ an, als rassistisch motivierte Gewalttaten gegen Migranten und Unterstützern der Integration zunahmen. Schon seit Jahren wehren sich Birgit und Horst Lohmeyer gegen ihre Nachbarn: Sie leben im „Nazidorf“ Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) – außer ihnen wohnen hier ausschließlich Neonazis. Im Interview spricht das Ehepaar über die Schwierigkeiten, die sie dadurch erfahren. Sogar Brandstiftung haben sie schon miterlebt. Mit ihrem eigens initiierten Musik-Festival „Jamel rockt den Förster“ setzen sie jährlich ein lautes Zeichen gegen Rechts.
September: Wer gewinnt die Bundestagswahl 2017?
In Deutschland bildete die diesjährige Bundestagswahl den politischen Höhepunkt – monatelang arbeiteten die Parteien auf diesen Moment hin, unter anderem mit aufwendigen Werbespots. Mit 32,9 Prozent holte die CDU/CSU mit Angela Merkel als Kanzlerkandidatin in vierter Folge die meisten Stimmen. Doch nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen steht bis zum Ende des Jahres noch immer keine Bundesregierung fest. Auch der Einzug der AfD in den Bundestag sorgte für Diskussionen. Zwei politische Punkte, die uns auch im Jahr 2018 sicherlich noch beschäftigen werden.
Oktober: Krise in Katalonien
Spanien und die autonome Gemeinschaft Katalonien haben ein sehr aufwühlendes Jahr hinter sich. Die katalanische Regierung rief dieses Jahr ein Unabhängigkeitsreferendum aus und forderte die Bürger auf, für oder gegen die Abspaltung von Spanien zu stimmen. Letzten Endes wurde die Unabhängigkeit Kataloniens von der spanischen Regierung für rechtswidrig erklärt. Kurz vor den umstrittenen und teils gewalttätig verlaufenden Wahlen haben wir mit einem in Katalonien lebenden Deutschen über die Stimmung im Land gesprochen.
November: Holocaust-Mahnmal vor Höckes Tür
Kaum eine andere Partei in Deutschland ist inzwischen so umstritten wie die Alternative für Deutschland. Ein Vorfall kurz vor Jahresende bekam von beiden Seiten herbe Kritik: AfD-Politiker Björn Höcke sagte Anfang des Jahres das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei ein „Denkmal der Schande“. Die Aktionskünstler vom Zentrum für politische Schönheit errichteten deshalb einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals direkt neben dem Privathaus von Höcke. Dafür wurde das Grundstück extra angemietet und der Nachbar als „gefährliche Person“ gründlich überwacht – eine Aktion, die eine Kündigungsklage und eine zerstörte Kamera nach sich zog.
Dezember: #MeToo-Bewegung wird Person of the Year
Fernab der politischen Debatten fand dieses Jahr vor allem dieses Thema Platz in den Schlagzeilen: sexuelle Belästigung. Nach den Vorwürfen gegen Hollywood-Filmproduzent Harvey Weinstein fanden Frauen und Männer mithilfe des Hashtags #MeToo ein Sprachrohr für ihre traumatischen Erlebnisse. Ein gesellschaftlicher Wandel wurde vorangetrieben, der nun schon über mehrere Monate stark diskutiert wird. Im Dezember wurde die MeToo-Bewegung deswegen vom US-amerikanischen Time Magazine zur „Person of the Year“ ernannt.
Einen passenden Abschluss für das Jahr bildet somit auch dieser Tweet:
Ein Name in den Trending Topics.
2016: Tot.
2017: Sexuell übergriffig.
Freue mich schon auf 2018.— Sushi Sushi has a farm ee i ee i oh! (@StereoSushisu) 16. November 2017
Die dbate-Redaktion wünscht einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Veröffentlicht am: 20.12.2017 in Artikel
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Berlin: Wenig Gewalt bei „Revolutionärer 1. Mai“-Demo
Die „Revolutionären 1. Mai“-Demos, an denen in ganz Deutschland mehrere Zehntausend Teilnehmer teilnahmen, verliefen überwiegend ruhig. Auch in den Hochburgen Berlin und Hamburg blieben Gewaltausbrüche die Ausnahme. Viele hatten das Vorgehen von Polizei und Demonstranten in Hamburg als „Generalprobe“ für den G20-Gipfel gesehen. Der G20-Gipfel findet im Juli in Hamburg statt.
‚Boygroup Boys‘ – Erfolgsrezept einer Boyband
Man nehme fünf gut aussehende Jungs, synchrone Tanzeinlagen, nackte Oberkörper (vorzugsweise ölbeschmiert) und die ganz großen Gefühle – fertig ist die Boygroup.
Zum Abschied: Disstrack gegen Circus HalliGalli
In der letzten Ausgabe von Circus HalliGalli ist nicht alles Bauchpinselei: In einem ironischen Rap-Medley von Kool Savas, Marteria, den Beginnern und anderen deutschen Rap-Größen, wird mit dem Sender und den beiden Moderatoren abgerechnet: „Was ihr Nutten als nächstes macht, ist dem Rest der Welt so latte“.
Schräge Notstrandung
Frachter strandet mit Schlagseite vor britischer Küste.
Genialer Reggae-Remix von Adeles „Hello“
Ihr könnt Adeles „Hello“ nicht mehr hören? Keine Sorge, müsst ihr auch nicht. Hier geht´s um einen sehr gelungenen Remix des Liedes. Der Ohrwurm verdächtige Remix stammt vom Reggae-Duo „Conkarah und Rosie Delmah“. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die britische Sängerin Adele die Hürde von einer Milliarde YouTube-Klicks in nur 87 Tagen geknackt hat. Damit hat die wohl erfolgreichste Sou-Musikerin der letzten Jahre Psy mit seinem „Gangnam Style“ vom Thron gestoßen. 158 Tage brauchte Psy bis zu einer Milliarde Aufrufe.
Umfrage: Sollten alle Nationalspieler die Hymne mitsingen?
Khedira tut es, Özil auch und Boateng sowieso. Die Rede ist nicht von guter Nachbarschaft, sondern von der Weigerung, während der deutschen Nationalhymne mitzusingen – oder gar die Lippen zu bewegen. Sind sie deswegen ’schlechte‘ Deutsche?
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Genauso schön wie beängstigend: Ikaika Marzo filmt fast jeden Tag live die Lavafontänen auf seiner Heimat Hawaii. 2000 Menschen mussten schon fliehen, doch er bleibt dort.
„Drecksloch“: Künstler projiziert „Poop“-Emojis auf Trump Hotel
Der Multimedia-Künstler Robin Bell ließ über dem Eingang zum Trump Hotel in Washington DC verschiedene Anti-Trump Projektionen laufen. Darunter bezeichnete er den US-Präsident als Nazi-Unterstützer, Rassist und sein Hotel als „Drecksloch“. Donald Trump wird vorgeworfen so vor kurzem die Herkunftsländer von Flüchtlingen genannt zu haben.
Schwerpunkt: Mein 1945
– VIDEOTAGEBUCH: Mein 1945
– INTERVIEW: Walter Hort
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– INTERVIEW: Peter Petersen
Schwerpunkt: Mein Kampf / Unser Kampf
– SKYPE-TALK zur Neuauflage von „Mein Kampf“
– FLASH: ARD-Film „Vater, Mutter, Hitler“ (Trailer)
– FLASH: „Vater, Mutter, Hitler“ – das Making-of
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Burkini-Verbot: Polizei greift in Nizza offenbar hart durch
Es klingt absurd, ist aber Realität. Im französischen Nizza haben Polizisten mit dem Burkini-Verbot ernst gemacht und eine Frau am Strand aufgefordert, sich zu entkleiden. Fotos, die sich via Twitter verbreitet haben, zeigen wie insgesamt vier Polizisten um die Frau herumstehen und sie offenbar zum Entfernen ihres Oberteils. Ob es sich dabei überhaupt um einen Burkini handelt, lässt sich schwer sagen.
Schwerpunkt: Kiffen in Deutschland
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– STREITGESPRÄCH zu Cannabis-Legalisierung
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Artikel "Übertreiben ist unsere Aufgabe" – Charlie Hebdo Deutschland-Chefin im Interview
Artikel "Übertreiben ist unsere Aufgabe" – Charlie Hebdo Deutschland-Chefin im Interview
Marine Le Pen oder Emmanuel Macron: Wer regiert künftig Frankreich? Diese Frage stellt sich auch das Satiremagazin Charlie Hebdo. Mit witzigen und teilweise grenzwertigen Karikaturen wurde und wird der Wahlkampf begleitet. Doch es geht um mehr: Charlie Hebdo will nicht nur an der politischen Debatte teilnehmen, sondern hat sich im Wahlkampf auch klar positioniert. Warum, erklärt Minka Schneider, Chefredakteurin der deutschen Charlie Hebdo-Ausgabe, im Interview mit Hendrik Holdmann.
Welche Rolle spielen Karikaturen im französischen Wahlkampf?
Minka Schneider: Karikaturen spielen durchaus eine große Rolle. Das liegt natürlich auch daran, dass Frankreich im Vergleich zu Deutschland schon seit der französischen Revolution eine sehr ausgeprägte Kultur der Pressezeichnung hat. Außerdem hat der Beruf als Pressezeichner hier einen ganz anderen Status. Viele Tageszeitungen haben Karikaturen als festen Bestandteil in ihrem Blatt. Karikaturen sind eine gute Form, Aktualität zu verarbeiten. In diesem Wahlkampf gilt das besonders, weil einfach so viele abstruse Dinge geschehen sind, die sich für Karikaturen besonders gut eignen.
Welche Themen oder Ereignisse dominieren in den „Charlie Hebdo“-Karikaturen?
Minka Schneider: Die aktuelle Titelseite mit dem Titel „Gewählt!“ zeigt beispielsweise Marine Le Pen, die eine Faust in Form eines Wahlzettels ins Gesicht bekommt. Damit machen wir einerseits auf das Problem der Nichtwähler aufmerksam. Wir sehen wählen zu gehen nicht als Recht, sondern auch als Pflicht. Der einzige Weg, um Le Pen ins Gesicht zu schlagen, ist eben der Wahlzettel. Andererseits steht das „Gewählt!“ aber auch für die Haltung der Redaktion. Wir zeigen damit, auf welcher Seite wir stehen.
Außerdem hat natürlich die Affäre um die Scheinbeschäftigung von Fillions Frau viel Beachtung gefunden. Charlie Hebdo hat dazu eine Ausschneide-Maske als Titelblatt gehabt. Die Maske wurde sehr gut angenommen. Viele Leute haben die Maske ausgeschnitten, sich diese vor das Gesicht gehängt und dann getwittert. Und wir hatten Fillion selbst auf dem Titelblatt – dargestellt als Filzlaus, die nicht loslassen kann. Fillion wollte ja trotz des Skandals nicht zurückziehen.
Wenn man vom Ursprung des Wortes Karikatur ausgeht, was aus dem Lateinischen stammt und so viel heißt, wie „etwas überbeladen“, dann heißt das ja, dass man Sachen, die so existieren ins Extreme pusht und damit übertreibt. Im französischen Wahlkampf waren die Ereignisse an sich schon so überzogen, dass man da gar nicht mehr so viel draufpacken musste. Nehmen wir beispielsweise die Sache, dass Marine Le Pen ein Verfahren hatte, weil sie EU-Gelder veruntreut hat und selbst aber diejenige ist, die sagt, wir müssen aus der EU ausscheiden und ich bin gegen das System. Dieser Wahlkampf war für alle Beobachter, Experten und Beteiligten mitunter sehr absurd und es gab wirklich perverse Vorgänge. Die in Texten zu analysieren, ist die Aufgabe von Journalisten. Diese auf die Spitze zu treiben, ist das, was Zeichner machen.
Wie bereitet Charlie Hebdo das Duell Macron vs. Le Pen auf?
Minka Schneider: Ein großer Faktor, der jetzt eine Rolle spielt, sind die Nichtwähler. Viele Nichtwähler sagen, dass keiner der beiden ihr Kandidat ist. Das gilt auch für uns bei Charlie Hebdo. Als traditionell linke Zeitung sind wir nicht glücklich mit dem wirtschaftsliberalen Kandidaten Macron, von dem zu erwarten ist, dass er „Schrödersche Reformen“ anstoßen wird. Und Le Pen ist traditionell natürlich eines der wichtigsten Feindbilder von Charlie Hebdo. Das Problem in Frankreich ist, dass sich viele Franzosen jetzt sagen: „Dann gehe ich gar nicht wählen“.
Dazu mussten wir uns überlegen, was unsere Position ist. Verhält man sich auch neutral und gibt keine Wahlempfehlung oder gibt man eine? Es liegt aber nahezu in der DNA der Zeitung, sich gegen Rassismus, Protektionismus und so weiter zu stellen. Deswegen haben wir dann doch in langen Diskussionen entschieden, dass wir dazu auffordern, gegen Le Pen zu stimmen.
Welche Darstellungen sind besonders beliebt?
Minka Schneider: Le Pen wird als große Gefahr, die sie ja auch ist, präsentiert. Häufig wird sie mit Stacheldraht dargestellt. Außerdem dominiert bei Le Pen häufig das „Völkische“ – also die Tatsache, dass sie immer auf das Volk Bezug nimmt. Und das, obwohl sie ja eigentlich eine gesellschaftliche Spaltung forciert: hier das System und da die kleinen Leute. Das sehen wir bei Charlie Hebdo besonders kritisch, weil es für uns immer um die Bürger geht – um jeden Bürger. Es gibt nicht dieses „Volk“ als Masse, das irgendwie vom System dominiert wird. Auch ihre Nähe zu anderen Despoten wird bei uns thematisiert. Zum Beispiel, Le Pen, die großer Fan von Trump und Putin zu sein scheint.
Bei Macron fällt auf, dass er als junger Sunnyboy ohne Programm dargestellt wird. Weder rechts noch links: Wofür steht der eigentlich? Außerdem wird er – auch in Anlehnung an den deutschen Martin Schulz-Hype – als Jesus oder Erretter, der angeblich alles kann, abgebildet. Oft wird auch die Beziehung zu seiner um 24 Jahre älteren Frau aufgegriffen. Das ist für Karikaturisten natürlich eine gute Geschichte. Wir haben ihn auch als Schutz vor Le Pen dargestellt: Er als Kondom, das uns noch vor Le Pen schützen kann. Dazu stand die Frage: „Wird das Kondom platzen?“
Die Schwierigkeit besteht für uns darin, dass man beide gut karikieren kann. Beide repräsentieren Dinge, hinter denen Charlie Hebdo nicht steht. Trotzdem wollen wir deutlich machen, dass die Anti-Front-National-Haltung dominierend ist. Die wirkliche Gefahr ist Le Pen.
Wie wichtig sind Karikaturen für den politischen Diskurs?
Minka Schneider: Im Gegensatz zu einem Text, kann eine Karikatur schneller und stärker auf den Punkt bringen, wie grotesk, pervers oder bizarr ein aktuelles Geschehen ist. Oft wird uns vorgeworfen, dass Dinge „so schockierend“ seien. Aber der Sinn von unseren Karikaturen besteht ja darin, den Betrachter darauf hinzuweisen, wie pervers die Situation eigentlich ist. Nicht die Karikatur an sich ist das Schockierende, sondern das, was dahinter steht. Die Überzeichnung von Positionen kann den Betrachter viel direkter zu einer intellektuellen Auseinandersetzung aufrufen als ein Text. Und ja, natürlich ist der Wunsch, an der politischen Debatte teilzunehmen, die Triebfeder der Karikaturisten. Es geht immer darum, Stellung zu beziehen und am politischen Diskurs teilzunehmen.
Gilt also der Satz „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“?
Minka Schneider: Ja. Manchmal ist die Botschaft einer Zeichnung stark, aber eben auch simpel. Die Kunst besteht darin, eine Karikatur so subtil zu gestalten, dass ein Denkprozess angeregt wird. Andererseits muss die Botschaft so klar sein, dass das Bild trotzdem die bezweckte Wirkung erzielt.
Infos zu Charlie Hebdo Deutschland:
Seit Dezember 2016 wird eine deutschsprachige Ausgabe der französischen Satirezeitschrift in Deutschland verkauft. Minka Schneider arbeitet gemeinsam mit der französischen Redaktion von Paris aus und hat mittlerweile einen Stamm an Übersetzern, Layoutern und Zeichnern, die verteilt in Detuschland leben. In der deutschsprachigen Ausgabe werden außerdem auch Texte und Bilder verstorbener Kollegen gezeigt. Mehr Infos zur deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo gibt´s auf der Homepage oder bei Facebook.
Veröffentlicht am: 03.05.2017 in Artikel
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„Wir brauchen die EU“ – Tony Blair über einen Brexit
„Wir müssen offen für die Welt sein“ – schon 2012 fand Tony Blair deutliche Wort. Sollte sich Großbritannien für einen Brexit entscheiden, würden die Briten diese Entscheidung noch Jahrzehnte bereuen – und anschließend versuchen, wieder Mitglied der Europäischen Union zu werden. dbate.de zeigt exklusiv das komplette Blair-Interview über britischen Nationalismus, Ängste und Probleme in der EU.
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„Mayday“ in Großbritannien: Die konservativen Tories unter Theresa May haben im Zuge der anberaumten Neuwahlen ihre Mehrheit aufs Spiel gesetzt – und sie verloren. Die ehemalige ARD -Korrespondentin Annette Dittert (London) mit einer klaren Analyse zu Theresa May’s hochmütigem Alleingang, die Folgen für ihre Partei, für Großbritannien und Brüssel.
Zika – Ein Virus greift Brasilien an 1/2
Wie gefährlich ist das Zika-Virus? Bereits mehrere Millionen Brasilianer haben sich seit Anfang 2015 mit dem Virus infiziert. Besonders Schwangere sind alarmiert, denn das von Mücken übertragene Virus kann bei ungeborenen Kindern zu Schädelfehlbildungen, der sogenannten Mikrozephalie, führen. Ausgerechnet jetzt finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Im dbate-Videotagebuch „Zika – Ein Virus greift Brasilien an“ berichten Menschen aus Brasilien vom Kampf gegen die Epidemie und die Gefahren für Olympia 2016. Teil 1 von 2.
Saturday Night Live: Alec Baldwin provoziert Donald Trump
Spitzer Mund und blondes Haar: seit Wochen imitiert Alec Baldwin in Saturday Night Life den President-Elect Donald Trump. Und was sagt der künftige US-Präsident dazu? Der findet das überhaupt nicht lustig. Aufhören will Baldwin aber nur, wenn Trump endlich seine Steuererklärung veröffentlicht.
#StarWarsDay: Möge die Macht mit Dir sein
Achtung Wortwitz: Da sich der wohl bekannteste Ausspruch der legendären Star Wars Saga „May the force“ (zu Deutsch: Möge die Macht) im Englischen ähnlich anhört wie das Datum des vierten Mai („May the fourth“), haben Star Wars Fans heute den internationalen Tag der Filmreihe ausgerufen.
Der Kampf um die Kohle: Wie Heimat zerstört wird
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Zeichen für Cumhuriyet: Türkisches Staatsfernsehen gefotobombt
In der Türkei hat der Prozess gegen siebzehn Mitarbeiter der Zeitung Cumhuriyet begonnen. Das türkische Staatsfernsehen TRT berichtete live vor dem Prozessgebäude. Mit Pro-Cumhuriyet-Plakaten bewaffnet, schlichen sich drei Personen hinter den TRT-Sprecher und teilten still ihre Solidarität mit den angeklagten Journalisten.
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Barack Obama wird nach acht Jahren sein Amt als US-Präsident niederlegen. Dazu wird er auch nochmal in Berlin auftreten und sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel verabschieden. In unserem „Best of Obama“ blicken wir auf lustige Momente seiner Amtszeit zurück und sagen „Goodbye, Mr. President!“.
Überflüssig, aber gut – dbate-Empfehlungen für die Katastrophe
Krieg, Terroranschläge oder sonstige Katastrophen. Die Bundesregierung will vorbereitet sein und stellt deshalb ein Versorgungskonzept für die Bürger zusammen. Darin heißt es: „Bürger werden angehalten, sich einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln für einen Zeitraum von zehn Tagen anzulegen.“ Allerdings dürften die im Eigenheim Verschanzten spätestens nach ein paar Tagen zwar noch Wasservorräte haben, der individuelle Vorrat an Langeweile wäre jedoch mindestens bedenklich. Deswegen haben wir ein paar Empfehlungen für den guten Geschmack – der im Ernstfall mindestens so wichtig sein kann, wie ein Stück Schokolade: vier Alben, Filme und Bücher, die vielleicht überflüssig – aber ziemlich gut sind. Und um es mit P.J. O’Rourke zu sagen: „Lies nur, was dich gut aussehen lässt, falls du mittendrin stirbst“.
#TV-Duell: So kritisch reagierte das Netz
Die einzige Debatte zwischen Angela Merkel und Martin Schulz zur kommenden Wahl – und Merkel liegt laut Umfragen deutlich vorne. Die Zuschauer waren jedoch nicht zufrieden mit dem TV-Duell und übten auf Twitter viel Kritik. Hier sind die besten Twitter-Reaktionen.
Charlottesville: Drei Tote nach Rassisten-Aufmarsch
Ein Aufmarsch von Rassisten in Charlottesville (US-Bundesstaat Virginia) ist blutig geendet. Ein Auto raste in eine Gegendemonstration des Rassistischen-Aufmarsches und tötete ein Person. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Außerdem stürzte ein Polizeihubschrauber aus bislang ungeklärter Ursache ab. Zwei Polizisten starben.
Nationalratswahl Österreich: Demo gegen Schwarz-Blau
Am Abend der österreichischen Nationalratswahl zogen rund 400 Demonstranten durch die Wiener Innenstadt und protestierten gegen die rechtspopulistische FPÖ – und eine mögliche schwarz-blaue Koalition mit der ÖVP.