Video 2 Jahre Pegida: Wo steht die Bewegung heute?
Video 2 Jahre Pegida: Wo steht die Bewegung heute?
Pegida feierte im Oktober 2016 ihr zweijähriges Bestehen. Doch „feierlich“ war es in Dresden zuletzt selten. Wie steht es heute um die Protestbewegung? Alexander Schneider (Sächsische Zeitung) und Rechtsextremismus-Experte Toralf Staud über Pegida und rechte Gesinnung in Ostdeutschland.
Kaum eine gegenwärtige Bewegung hat es geschafft, so viele Menschen zu mobilisieren wie Pegida. Seit dem 20. Oktober 2014 marschieren jeden Montag die Anhänger der Bewegung durch Dresden und machen ihrer Wut Luft. Diese Wut schiebt sich akustisch durch die Straßen, sickert in die Risse der Fassaden. Die Wut überschlägt sich und hofft darauf, dass sie in einem Wort frei gesetzt werden kann, damit jeder sie hört: „Volksverräter“. Die Wut empfängt nichts – außer sich selbst. Einen Dialog kann es mit den Wütigen nicht geben. Oder?
Erst 350, dann 25.000 Demonstranten
Am Anfang war es die Wut von 350 Menschen, darunter einige Hooligans – die ja meistens wütend sind. Im Januar 2015 waren es 25.000. Und auch am Tag der deutschen Einheit in diesem Jahr ließen hunderte Pegida-Anhänger die anwesenden Politiker ihre Wut spüren. Wer sind diese Menschen, die für Pegida auf die Straße gehen? Und wie lässt sich das Phänomen „Pegida“ erklären? Alexander Schneider, Polizeireporter bei der Sächsischen Zeitung, beobachtet die Entwicklung von Pegida seit ihren ersten Schritten auf dem Dresdner Neumarkt. Er beschreibt eindrücklich, wie sich Dresden in den letzten Jahren verändert hat: „Es geht einem aufs Gemüt. Es bereitet inzwischen körperlichen Schmerz, sich damit auseinanderzusetzen.“ Für Schneider ist das auch privat belastend: harmlose Elternabende geraten zur politischen Gratwanderung.
Pegida: Die Wut läuft mit
Das Bundesland Sachsen hat mittlerweile den Ruf, dass rechte Gewalt Alltag ist. Aber ist der Rassismus tatsächlich nur ein sächsisches Problem? Toralf Staud ist Experte für Rechtsextremismus. Er erklärt, welche Verbindungen es zwischen Rechtsextremen und den Montagsdemonstranten gibt und warum die politische Stimmung im Bundesland Sachsen eine Sonderstellung einnimmt. Auch wenn die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen sinken, steht für Staud fest: „Der Hype ist vorbei, aber das Phänomen ist weiterhin da und sollte weiterhin ernst genommen werden.“
Sind diese Menschen tatsächlich für einen Dialog verloren? Wer könnte diesen Dialog moderieren? Und was müssen wir als Gesellschaft tun, um wieder zueinander zu finden? Es sind wichtige Fragen, die sich Toralf Staud und Alexander Schneider bei dieser Bilanz zu zwei Jahre Pegida stellen.
Veröffentlicht am: 14.10.2016 in Video
Related Videos
Nationalfeiertag in Dresden: Hass
Spießrutenlauf zur Einheitsfeier. Politiker und Gäste konnten das nationale Fest in Dresden nur unter massivem Polizeischutz erreichen. Tausende Demonstranten empfingen sie mit Pfiffen und den von Pegida-Demos bekannten Rufen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg".
Jagdszenen in Dresden - so hat Aiman Mazyek die Situation erlebt
Pegida-Organisator Lutz Bachmann bedrängt Ayman Mazyek vom Zentralrat der Muslime – und feiert sich dafür im Netz. Was ist passiert? Am 3. Oktober 2016 fanden in Dresden parallel Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit und eine Pegida-Demonstration statt. Pegida-Initiator Lutz Bachmann nutzte die Gelegenheit und lauerte Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime offenbar auf, um ihm Fragen zuzurufen und dabei zu filmen.
Max Schörm: Die Geschichte von PEGIDA
dbate-STAR Max Schörm erklärt die Geschichte der PEGIDA.
Armin Rohde über die AfD, Hate-Crime und Til Schweiger
"Ich mach Dich platt. Du wärst schon der Dritte" - mit solch heftigen Anfeindungen ist Schauspieler Armin Rohde im Netz konfrontiert. Der Grund? Er engagiert sich in den sozialen Medien lautstark gegen rechte Hetzer. Wir haben mit ihm über die AfD, Hasskommentare und seinen Kollegen Til Schweiger gesprochen.
"Rassismus getarnt als Islamkritik" - Zentralrat der Muslime über die AfD
Anschläge auf Flüchtlingsheime und Übergriffe auf ausländische Mitbürger sind für Aiman A. Mazyek genauso besorgniserregend wie die Terroranschläge in Brüssel, Paris oder Istanbul. "Wir leben in Zeit, in der die extremen Ränder zugewinnnen!", so der Vorsitzende des Zentralrats für Muslime. Er kritisiert dabei or allem die hysterische Diskussion um solche Ereignisse und wünscht sich mehr Sachlichkeit.
Tag der Deutschen Einheit: Claudia Roth sprachlos
Die meisten Politiker bemühten sich in Dresden, schnell zur Feier zu kommen - und sie möglichst schnell wieder zu verlassen. Nicht so Claudia Roth. Kurz entschlossen ging sie auf die schreienden Demonstranten vor dem Festzelt zu.
Mehr Videos aus dem Bereich Video
Mit dem Fahrrad über die Berliner U-Bahn
Das Rätsel ist gelöst: Dieses Video der Street Art-Gruppe ‚Berlin Kidz‘ zeigt, wie sie vor einem Jahr mit einem Fahrrad auf der Berliner U-Bahn fuhren. Danach haben sie das Rad an das Spree-Kunstwerk ‚Molecule Man‘ gekettet.
ISS-Webcam: Blick auf die Erde (LIVE)
So habt ihr die Welt noch nicht gesehen! Die Außenkameras der Internationalen Raumstation ISS zeigen unseren blauen Planeten live (!) aus 400 Kilometern Höhe. Man kann bequem vom heimischen Rechner beobachten, wie der bemannte Satellit mit über 27.000 km/h durch seine Umlaufbahn rast.
Jamel: Widerstand gegen rechts
Inmitten der malerischen Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns liegt das kleine Dorf Jamel. Doch die Idylle trügt: in dem Ort leben viele Nazis, sie haben hier eine „national befreite Zone“ ausgerufen. Doch seit 2007 regt sich Widerstand: eine aus Hamburg zugezogene Familie organisiert ein Musikfestival gegen die Nazis.
805 Million Names – Ibrahimović zieht sich aus
Macht der Worte: Flüchtlingskrise oder Willkommenskultur? (Framing: Kino im Kopf)
Ausländer, Flüchtlinge, Migranten – und manchmal sind es sogar einfach mal Menschen. Die Sprache, mit der über Ereignisse gesprochen wird, beeinflusst unsere Wahrnehmung immens. Das probono Magazin wirft einen Blick auf den verbalen Umgang mit der Zuwanderung.
James Corden macht Amerikanern Mut nach Trump-Wahl
Dass James Corden nicht nur witzig ist, sondern auch sehr inspirierende Reden halten kann, hat der britische Komiker in seiner 'Late Late Show' bewiesen. Für ihn bleibt die USA weltoffen und vielseitig - auch trotz eines Präsidenten Donald Trump.