Interview Wo stehen die USA nach der Ära Obama? Eine Bilanz
Interview Wo stehen die USA nach der Ära Obama? Eine Bilanz
„Yes we can! Yes we did!“ Präsident Barack Obama galt im In- und Ausland als Hoffnungsträger. Er verkörperte das Versprechen nach Wandel und Hoffnung. Nach acht Jahren verabschiedet sich der 44. Präsident der USA vorerst von der politischen Bühne. Wo stehen die USA nach der Ära Obama? Eine Bilanz.
Obamas Präsidentschaft war geprägt von Grabenkämpfen zwischen Demokraten und Republikanern, einer maroden Wirtschaft, Rassenunruhen und außenpolitischen Krisen. Der erste schwarze Präsident hinterlässt ein gespaltenes Land und ein widersprüchliches Erbe. Die USA-Experten Dr. Martin Thunert und Dr. Tobias Endler vom Heidelberg Center for American Studies haben ein Buch über die Ära Obama geschrieben und ziehen im Interview mit dbate eine Bilanz der Innen – und Außenpolitik.
Wirtschaftskrise:
Präsident Obama steckte mehr als 700 Milliarden Euro in die marode US-Wirtschaft. Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen scheint die Mittelschicht auf der Strecke zu bleiben. „Es herrscht eine Unzufriedenheit im mittleren Westen“, so der Politologe Thunert.
Rassenunruhen:
Barack Obama wird als erster schwarzer Präsident in die Geschichte der USA eingehen. Doch seine Amtszeit ist auch durch schwere Straßenkrawalle, Polizeigewalt und Rassenunruhen gezeichnet. USA-Experte Thunert sieht hier Versäumnisse bei Obama, stellt aber auch fest: „Obama musste erkennen, dass sich jahrelange Ungerechtigkeiten nicht in acht Jahren Amtszeit beseitigen lassen.“
Gesundheitsreform:
Als Obamas größter innenpolitischer Erfolg gilt die Gesundheitsreform Obamacare. Mehr als 16 Millionen US-Amerikaner erhalten eine Krankenversicherung. Und auch Donald Trump wird verstehen müssen, dass man mit „Gesundheitspolitik Wahlen verlieren, aber nicht gewinnen kann“, so der USA-Experte Thunert.
Kampf gegen den Terror:
Der Präsident hat sein Versprechen, US-amerikanische Truppen aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen, eingehalten. Aber der Friedensnobelpreisträger verzeichnet auch so viele Drohneneinsätze wie kein anderer Präsident. Scheinheilig? Für Dr. Endler ist dies das Ergebnis einer pragmatischen „Kosten-Nutzen-Analyse“. Unter Obama haben die USA ihren Status als „Weltpolizei“ bewusst aufgegeben.
Syrienkrieg:
Der Bürgerkrieg in Syrien überschattet auch Obamas Amtszeit. Seine diplomatischen Friedensbemühungen scheiterten. Auf einen militärischen Einsatz verzichtete er. Dieses Machtvakuum nutzt der russische Präsident Wladimir Putin. „Die Amerikaner sind kriegsmüde“ – nach den jahrelangen Einsätzen in Afghanistan und dem Irak sei die Zurückhaltung auf amerikanischer Seite verständlich, so Dr. Endler.
Veröffentlicht am: 13.01.2017 in Interview
Related Videos
Farewell, Mr. President! Emotionaler Abschied von Barack Obama
Mit einer letzten Rede verabschiedete sich Barack Obama vom amerikanischen Volk und seinem Amt als US-Präsident. In ihr plädierte er für Demokratie, Solidarität und einen optimistischen Blick in die Zukunft. Die Rede war sein letzter öffentlicher Auftritt vor der Vereidigung Trumps am 20. Januar.
TOP 10 Barack Obama Jokes
Barack Obama in Hannover. Seine Reise zur Hannover-Messe am kommenden Sonntag wird vermutlich der letzte Besuch des US-Präsidenten in Deutschland sein. Obama ist auf einer Art Abschieds-Tour, bevor im November die Amerikaner eine/n Nachfolger/in wählen. Lange hat man Barack Obama nicht mehr so entspannt gesehen wie in den letzten Monaten. Er tanzt bei Staatsbesuchen in Lateinamerika. Und er erzählt unablässig lustige Anekdoten und macht Scherze.
6-Jähriger schreibt Brief an Präsident Obama
Alex ist 6 Jahre alt und lebt in New York. Nachdem er das Bild von dem syrischen Jungen gesehen hat, der aus den Trümmern eines Bombenangriffs in Aleppo geborgen wurde, schrieb Alex diesen bewegenden Brief an Präsident Obama.
Let’s Dance: Obama in Argentinien
Ungewohntes (politisches) Parkett für US-Präsident Barack Obama. Während seines Staatsbesuchs in Argentinien wurde Obama unfreiwillig zum Teil des Unterhaltungsprogramms. Nach mehreren Tanzaufforderung gab sich der Präsient geschlagen und begleitete die argentinische Tango-Tänzerin Mora Godoy aufs Parkett.
Obama Session: Präsident besingt seine Amtszeit
Noch-Präsident Barack Obama ist ein TV-Star. Kaum einer beherrscht das mediale Spiel wie er. Zusammen mit dem berühmten TV-Host Jimmy Fallon jammt Obama über die Erfolge seiner Amtszeit – und seine möglichen Nachfolger.
Clinton vs. Trump: Die US-Wahl und ihre Helfer
Der Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump geht in die heiße Phase. Dazu haben beide Kandidaten viele tausend Helfer hinter sich versammelt, die ehrenamtlich für sie kämpfen. Wer sind diese Menschen und warum setzen sie sich leidenschaftlich für Trump oder Clinton ein? Vier Wahlkämpfer berichten davon, welche Aufgaben sie im Wahlkampf übernehmen – und was passiert, wenn sie die Wahl am 8. November dennoch verlieren sollten.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
Ted Koppel über Geld und Medien in US-Wahlkämpfen
Ted Koppel hat viele US-Wahlkämpfe miterlebt – vom ersten TV-Duell bis hin zu kreativen Social Media-Kampagnen. Über 20 Jahre hat Koppel als Anchor die ABC-Nachrichtensendung „Nightline“ moderiert. Im Interview blickt er zurück auf spannende und legendäre US-Wahlkämpfe und erklärt, wie sich die Finanzierung von US-Wahlkämpfen verändert hat. Außerdem kommentiert Koppel, welche besondere Rolle Medien in Wahlkämpfen eingenommen haben und im aktuellen Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump einnehmen.
DFB-Skandal: Wer hat die beste "Krisen-Strategie"?
"Das zerstörte Sommermärchen". So lautet die aktuelle Titelstory des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL. Darin wird nicht weniger behauptet, als dass die Heim-WM 2006 mit mehreren Millionen Euro gekauft wurde. Als Beleg dafür sollen Geheimdokumente dienen–die allerdings bislang geheim blieben. Das lässt sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbrach nicht bieten und schlägt prompt zurück – in einem Interview mit seiner eigenen DFB-Pressestelle. "Das war ein Schuss in den Ofen", meint Auftrittsberater Wolf Achim Wiegand im Skype-Talk. Doch die Krise könnte auch den SPIEGEL schnell einholen, wenn er nicht bald überzeugende Beweise liefert. Und dann wäre da noch die BILD-Zeitung. Die stellt sich uneingeschränkt hinter den DFB und ihren Kolumnisten Franz Beckenbauer. Dazu meint Wiegand: "Die BILD-Zeitung hat eine Krise, weil sie sich jetzt auf eine bestimmt Seite stellt." Wer am Ende Recht hat, bleibt abzuwarten. Eine Bewertung des aktuellen Krisenmanagements aller Seiten gibt´s bis dahin in unserem Skype-Talk.
VW-Skandal – Umweltexperte prangert an
Axel Friedrich leitete das Verkehrsressort des Umweltbundesamtes. Jetzt ist er im Ruhestand. Trotzdem kämpft er seit langem gegen Schadstoffbelastungen. Er sieht darin ernsthafte Gefahren für unsere Gesundheit. Auch deshalb ist die Abgas-Manipulation von VW für ihn ein großes Problem für Gesellschaft und Umwelt. "Alle großen europäischen Städte haben Überschreitungen der Grenzwerte für Stickstoffdioxid", sagt Friedrich im Interview, "die Fahrzeuge emittieren einfach zu viel."
"Lasse mich nicht verbiegen!" - Interview mit Martin Schulz (SPD)
Es war ein Paukenschlag: nicht Sigmar Gabriel, sondern Martin Schulz führt die SPD als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2017. Doch wer ist eigentlich Martin Schulz? Viele kennen den Politiker in erster Linie in seiner Rolle als EU-Parlamentspräsident – und als Mann klarer Prinzipien, der keine Auseinandersetzung scheut. Interview mit Schulz über seine Alkoholsucht in jungen Jahren, Europa und sein persönliches Selbstbild.
"Einwanderung führt nicht zu mehr Gewalt" - Kriminologe Pfeiffer
Würzburg, München, Ansbach - eine Welle der Gewalt erschüttert Deutschland. Mindestens zwei der Täter hatten massive psychische Probleme. Aber sind nicht alle Terroristen und Amokläufer psychisch gestört? "Nein, so einfach ist das auch nicht", sagt Deutschlands bekanntester und streitbarster Kriminologe Christian Pfeiffer. Interview über Ursachen, die Menschen zu Terroristen und Amokläufern machen und die Frage, ob Migration wirklich zu mehr Kriminalität führt.
Warum haben manche Minderheiten Sonderrechte?
Wahlen in Deutschland: Warum haben manche Minderheiten Sonderrechte? Ein dbate-Interview mit Politikwissenschaftler Adrian Schaefer-Rolffs.