Interview Schmerz und Vergnügen – Christoph Schröder über den Deutschen Buchpreis
Interview Schmerz und Vergnügen – Christoph Schröder über den Deutschen Buchpreis
Am 17.10. wird im Frankfurter Römer der Deutsche Buchpreis verliehen. Der Preis für den „besten Roman des Jahres“ ist mit 25.000 Euro dotiert – er ist begehrt, aber auch umstritten. Christoph Schröder, Literaturkritiker und Vorsitzender der diesjährigen Jury, erklärt, welche Bedeutung der Buchpreis in der literarischen Szene hat und berichtet aus dem Alltag eines ‚Lesewütigen‘.
Am Vorabend der Frankfurter Buchmesse wird der Deutsche Buchpreis verliehen. Ähnlich wie seine europäischen Pendants, der britische Man Booker Prize oder der französische Prix Goncourt, soll er die internationale Aufmerksamkeit auf die deutsche Literatur lenken. Bei den Autoren jedoch löste seine Vergabe schon regelrechte Kopfschmerzen aus: 2008 bezeichnete Daniel Kehlmann den Preis als „Quelle der Sorge und Depression“ für Schriftsteller. Vorsitzender der diesjährigen Jury, Christoph Schröder, verteidigt den Preis gegen diese harsche Kritik und versucht Missverständnisse auszuräumen: „Der deutsche Buchpreis in erster Linie ein Verkaufspreis.“ Aber kann es tatsächlich so etwas wie den ‚besten Roman‘ des Jahres geben – wird hier Literatur gefördert oder die Boulevardisierung der selbigen institutionalisiert?
Buchpreis-Jury: „Wir nennen es einen Roman“
Thomas Melles Buch „Die Welt im Rücken“ verzichtet auf eine Genrebezeichnung. Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ ist eine Novelle. Beides also keine ‚Romane‘ im klassischen Sinne. Trotzdem sind beide Autoren im Rennen. Weicht die Jury damit die Kriterien des Preises auf? Und wie schwierig war es, sich innerhalb der 7-köpfigen Jury auf eine Longlist mit zwanzig Titeln zu einigen? Wie ausgeprägt ist die Streitlust und -kultur? Zumindest in ihrem Wahlspruch war sich die Jury einig: „Wir gehen hier alle mit Schmerzen raus“.
Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt den besten deutschsprachigen Roman des Jahres. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Über den Sieger entscheidet eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt. Die Longlist wird später auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird dann traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.
Veröffentlicht am: 17.10.2016 in Interview
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