Interview Roland Tichy zur EZB-Politik: "Deutsche Sparer werden an der Nase herumgeführt"

Interview Roland Tichy zur EZB-Politik: "Deutsche Sparer werden an der Nase herumgeführt"

Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrem Kurs des billigen Geldes: Sie belässt den Leitzins weiter auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent – und pumpt jeden Monat rund 80 Milliarden Euro in Anleihekäufe. Für Roland Tichy, ehemaliger Chefredakteur der WirtschaftsWoche, steht fest: Der Euro ist gescheitert, die EZB macht vieles falsch. Interview mit einem Euro-Skeptiker.

Mit viel Spannung waren die Äußerungen von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, zur europäischen Geldpolitik erwartet worden. Wichtigste Ergebnisse: Der Leitzins bleibt bei 0,0 Prozent, es gibt weiter Strafzinsen für Banken und die EZB hält weiter an ihren monatlichen Anleihenkäufen in Höhe von 80 Milliarden Euro fest. Deutsche Sparer schreien vor Schmerz. „Die EZB hat eine perverse Politik betrieben. Und aus dieser Politik kommt sie jetzt schwer raus“, so der Journalist und Publizist Roland Tichy im dbate-Interview. 80 Milliarden Euro monatlich ist eine beachtliche Summe. Woher kommt das Geld eigentlich? Tichy: „Die EZB druckt es einfach selbst.“

Roland Tichy sieht keine Zukunft für den Euro

Tichy sieht insgesamt wenig Hoffnung auf Besserung und stellt explizit die fehlgeschlagene Geldpolitik der EZB an den Pranger. Nach Meinung des Journalisten ist die EZB Teil des Problems, welches sie selbst lösen will. Durch die Nullzins-Politik hätten viele Banken das wichtige Zinsgeschäft verloren: „Die Banken bluten aus.“ Und wie steht es um die europäische Gemeinschaftswährung? Tichy legt sich fest: „Die Lösung wird sein, dass der Euro, der die Ursache des Desasters ist, aufgegeben wird.“

Veröffentlicht am: 21.10.2016 in Interview

  • Walter Rupp

    Unter Herrn Draghi leiden wohl alle deutschen Sparer. Private Altersvorsorge wird durch Nullzinsen nicht mehr honoriert. Aber was kann man von einem ehemaligen Investmentbanker wie Herrn Draghi, der zuvor Vorstand bei Goldman Sachs war, denn anderes erwarten? Einen Investmentbanker zum EZB-Präsidenten zu machen ist in etwa damit vergleichbar, einen Hund mit der Beaufsichtigung eines Wurstvorrates zu betrauen.

    Manche nennen Draghi „Super-Mario“. Ich würde ihn eher richtigerweise „Ali Draghi und die EZB-Zinsräuber“ nennen. Schaun wir mal, ob er angesichts der z.Zt. ansteigenden Inflationsrate seine Politik des hinausgeworfenen Geldes ändern wird. Hoffnung habe ich da keine.

  • Konrad Kugler

    Ein Versuch in Schnellrechnen:

    80 x 12 = 1 Billion Euro in einem Jahr – Peanuts von 40 Mrd Euro.

    Dieses Geld ist wertlos, weil nur bedrucktes Papier. Aber zum Betrügen reicht es wie Falschgeld!

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