Interview Thomas de Maizière (CDU) über Terror und Verschwörungstheorien
Interview Thomas de Maizière (CDU) über Terror und Verschwörungstheorien
Wenn Politiker als „Volksverräter“, „Hure“ oder „Schlampe“ bezeichnet werden, ist für Bundesinnenminister Thomas de Maizière das Maß voll. Der CDU-Politiker beobachtet schon seit Längerem eine Verrohung der Sprache und kritisiert, dass zu viele Tabus in unserer Gesellschaft gebrochen worden seien. Grund dafür sei auch Verunsicherung: „Menschen die unsicher sind, sind auch aggressiver“, sagt de Maizière. Ein Interview über die Stimmung in Deutschland, Terror und die Verbreitung von Gerüchten.
2016 war ein bewegtes Jahr für Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Im Sommer des vergangenen Jahres – als er gerade im Urlaub war – kam der IS-Terror nach Deutschland. Wenig später ereignete sich der verheerende Amoklauf in München. Doch nicht der abgebrochene Urlaub hat de Maizière damals Sorgen bereitet, sondern eine neuartige Entwicklung. Immer mehr Bürger nutzen die Sozialen Medien zur Verbreitung von Informationen und gefährlichen Gerüchten.
Thomas de Maizière: „Früher hätte man eine Nachrichten-Informationssperre verhängt“
Gerüchte über mehrere Attentäter in München machten damals auf Facebook und Twitter die Runde. „Früher hätte man durch die Polizei eine Nachrichten-Informationssperre verhängt“, sagt de Maizière im Interview mit Stephan Lamby, „die Polizei hätte gearbeitet und anschließend eine Pressekonferenz gegeben.“ Das sei heute so nicht mehr möglich. Immer mehr Verschwörungstheorien verbreiteten sich im Netz. So würde behauptet, die Amerikaner seien gar nicht auf dem Mond gelandet oder in Berlin gäbe es keine Weihnachtsmärkte mehr.
Auch wenn nicht alles an den Sozialen Medien schlecht sei, beobachtet der CDU-Politiker eine Zunahme an Geschwindigkeit. Damit gehe auch ein Qualitätsverlust einher. „Man will der Erste sein. Dann haut man lieber mal was raus, bevor es nochmal geprüft wird“, so de Maizière. Die Vorteile der neuen Kommunikationsmittel sieht er darin, dass das Informationsmonopol nicht mehr bei den Leitmedien liege. Heute könne sich jeder barrierefrei informieren.
Die Interviews wurden von Stephan Lamby für die NDR/RBB-Dokumentation „Nervöse Republik – ein Jahr Deutschland“ (Sendetermin: 19. April 2017 | 22:45 Uhr | ARD) geführt. Mehr Infos/Videos zur Doku gibt´s hier: Nervöse Republik
Mehr Videos zu „Nervöse Republik“ findest Du hier:
Veröffentlicht am: 07.04.2017 in Interview
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