Interview Olympia 2018: "Alle Sportler sind gleich – nur die Russen sind gleicher"
Interview Olympia 2018: "Alle Sportler sind gleich – nur die Russen sind gleicher"
Russland wird bei den olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea mit neutraler Flagge antreten. Die Folgen des Doping-Skandals. Doch die Russen sind mit einem blauen Auge davongekommen, sagt ARD-Journalist Hajo Seppelt im dbate-Interview. Er vermutet einen dreckigen Deal zwischen IOC und Russland.
Keine russische Flagge, keine russische Nationalhymne. Dennoch werden bei Olympia 2018 zahlreiche russische Sportler teilnehmen – unter neutraler Flagge. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagiert damit auf den Doping-Skandal Russland bei den olympischen Spielen in Sotschi 2014. Mehrere staatliche Organe sollen darin verstrickt gewesen sein. „Beweise dafür gibt es zwar keine“, so der ARD-Journalist und Doping-Experte Hajo Seppelt. Doch noch immer würden russische Labore die Offenlegung von Doping-Testergebnissen verweigern.
Ein dreckiger Deal?
Wäre Russland für die spiele in Pyeongchang gesperrt worden, hätte die IOC ein starkes Symbol gegen Doping setzen können. So komme Russland noch einmal mit einem blauen Auge davon, sagt Experte Seppelt. Ganz neutral wird die russische Mannschaft aber dann doch nicht in Südkorea auftreten. So gäbe es zum Beispiel gesonderte Trikots, die sich von anderen neutralen Teilnehmern unterscheiden und eindeutig auf Russland hinweisen. „Das erweckt den Eindruck: ‚Alle Sportler sind gleich – nur die Russen sind gleicher‘“, kritisiert Seppelt an der Entscheidung des IOC. Er denkt, dass dies ein Kompromiss ist, damit Russland Olympia 2018 nicht boykottiert.
Veröffentlicht am: 06.12.2017 in Interview
Related Videos
Geflüchtete bei Olympia: Einfach nur Schwimmen
Yusra Mardini ist erst 18 Jahre alt. Sie ist vor dem Krieg in Syrerin geflüchtet, lebt in Berlin und hat eine Leidenschaft: Schwimmen. Jetzt geht für sie ein Traum in Erfüllung: die junge Athletin tritt im offiziellen Flüchtlingsteam bei Olympia in Rio de Janeiro an.
Dittsches Machtwort zu NOlympia
Für all diejenigen, die noch enttäuscht sind von der Abstimmung gegen Olympia, sorgt die Weisheit von Olli „Dittsche“ Dietrich vielleicht für Trost: Olympia ist eh bloß Monopoly.
Sportjournalist Hajo Seppelt über systematisches Doping in Russland
Seit dem letzten Sommer wird weltweit über systematisches Doping in Russland diskutiert. Das liegt in großen Teilen an den Enthüllungen von Sportjournalist Hajo Seppelt. Für seine Recherchen und Enthüllungen zum systematischen Doping im Profisport wird Seppelt nun mit dem renommierten Hanns-Joachim-Friedichs-Preis ausgezeichnet.
probono-Magazin: Zika-Virus und Olympia
Stiche vermeiden, keinen ungeschützten Sex, außerhalb der Wettkämpfe nicht das Haus verlassen und Schwangere sollen Rio de Janeiro komplett meiden: das sind die Sicherheitstipps zu den Olympischen Spielen in Brasilien. Der Grund? Das Zika-Virus wütet in Südamerika. Doch wie gefährlich ist das Virus wirklich? Antworten gibt´s im probono-Magazin.
"Wer auspackt, wird bestraft" - Doping-Experte Seppelt zu Olympia 2016
Den Olympischen Spielen in Rio droht ein Desaster: der Zika-Virus wütet, die Kosten explodieren und ein Gewaltproblem bahnt sich an. Dazu kommt der Skandal um systematisches Doping bei russischen Sportlern. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagiert - freundlich ausgedrückt - zurückhaltend. Für den Doping-Experten und Journalisten (ARD) Hajo Seppelt gleicht das einer Bankrott-Erklärung.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
Stephan Weichert: "Stehen am Anfang der digitalen Revolution"
Im Interview mit dbate-Reporterin Denise Jacobs spricht Weichert über den 'Wert' des Journalismus in Zeiten von Gloabalisierung und Digitalisierung, über Optimierungsbedarf bei der Nutzereinbindung und über die Rolle von Facebook für den Journalismus. Durch Instant-Articles binden sich zunehmend Medienhäuser an Zuckerbergs Imperium. Ist da
Claus Kleber über seinen neuen Film "Schöne neue Welt" (2/2)
Interview mit ZDF-Journalist Claus Kleber über seinen neuen Film "Schöne neue Welt - Wie Silicon Valley unser Denken verändert" (Teil 2 von 2). Der Film wurde von ECO Media TV (betreibt auch dbate) produziert.
"Genau genommen bin ich Geschichtenerzähler" - Skype-Interview mit Wolfgang Niedecken
Wolfgang Niedecken feiert am 30. März seinen 70. Geburtstag. Im dbate-Interview blickt der Kölner Sänger auf Kindheitserinnerungen zurück.
Aktionskünstler: "Flüchtlinge sind unsere letzte Hoffnung"
Vor kurzem beerdigte die Organisation "Zentrum für Politische Schönheit" zwei Flüchtlinge in Berlin - zumindest behauptet die Gruppe das. Mit der umstrittenen Kampagne "Die Toten kommen" wollen die Aktivisten auf das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer aufmerksam machen. Doch ist das wirklich noch Kunst oder einfach nur geschmacklos?
Kissinger - Visionär? Kriegsverbrecher?
Der Student Lukas Mengelkamp über die Proteste gegen eine Henry-Kissinger-Stiftungsprofessur.
Interview mit SPD-Legende Egon Bahr
Der ehemalige SPD-Politiker Egon Bahr (1922 – 2015) ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Das politische Erbe, das Bahr hinterlässt, ist gewaltig. Nicht nur seine viel diskutierte „Politik der kleinen Schritte“ und sein Leitgedanke „Wandel durch Annäherung“ bleiben in Erinnerung. Bahr war bis ins hohe Alter ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat. Egon Bahr wurde nur vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg geboren. Den „schwarze Freitag“ 1929 und die darauf folgende Weltwirtschaftskrise hat er bewusst miterlebt. Der Aufstieg der Nationalsozialisten und die Schrecken des Dritten Reichs haben seine Jugendjahre wesentlich geprägt. Er selbst hat in der Wehrmacht gedient, bis heraus kam, dass seine Großmutter Jüdin war.