Interview "Keine staatliche Zensur von Fake News" - Markus Beckedahl (netzpolitik.org)
Interview "Keine staatliche Zensur von Fake News" - Markus Beckedahl (netzpolitik.org)
Wahljahr 2017: die Sorge vor einer Beeinflussung durch Fake News bei der anstehenden Bundestagswahl ist groß. Doch die Forderung nach einer staatlichen Kontrolle durch eine sogenannte „Abwehrzentrale gegen Desinformation“ lässt Orwellsche Zustände befürchten. Ein Gespräch mit Netzaktivist Markus Beckedahl (netzpolitik.org) über den Umgang mit Fake News und Mittel gegen Falschmeldungen.
Bundeswahlleiter Dieter Sarreither befürchtet eine gezielte Manipulation von Wählern durch gefälschte Nachrichten. Für Markus Beckedahl, den Gründer von netzpolitik.org, ist die Sorge unbegründet. „Fake News werden nicht die Wahl entscheiden“, so Beckedahl im dbate-Interview. Allerdings haben Fake News „auf ein gewisses Milieu eine mobilisierende Wirkung.“ Dabei ist für den Blogger die beste Antwort auf Falschmeldungen im Netz „gute Politik und ein kritischer Journalismus.“
Die Bundesregierung scheint das anders zu sehen. Laut SPIEGEL-Informationen diskutiert das Innenministerium über ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“. In sozialen Netzwerken wurde dieser Vorschlag unter dem Orwellschen Begriff „Wahrheitsministerium“ diskutiert. In Tschechien existiert so ein Abwehrzentrum seit Anfang des Jahres. Mitarbeiter des Innenministeriums überprüfen soziale Netzwerke, um Falschmeldungen aufzudecken und eine Verbreitung zu verhindern. Der Vorwurf der Zensur scheint hier berechtigt. Markus Beckedahl sieht diese Entwicklung kritisch und warnt: „die Bundesregierung sollte nicht zum Medium werden, weil sie nicht unabhängig ist.“
„Bundesregierung produziert auch Fake News“, so Markus Beckedahl im Interview
Der Online-Aktivist empfiehlt die Diskussion um Fake News zu vernachlässigen. Das Netz braucht keine Zensur-Infrastruktur, sondern vielmehr kompetente User. Was hilft also wirklich, Herr Beckedahl? „Mehr Medienkompetenz und besserer Journalismus. Alles andere sind Scheingefechte, die davon ablenken wollen, dass die Bundesregierung auch eine ganze Menge Fake News produziert.“
Markus Beckedahl bloggt seit 2004 auf netzpolitik.org über Politik im und für das Netz. Sein Informationsportal gehört zu den wichtigsten Organen, wenn es um kritische Beobachtungen im Netz geht. Im Skype-Interview mit Marta Werner spricht er über Falschmeldungen im Netz und fehlende Medienkompetenz.
Veröffentlicht am: 05.01.2017 in Interview
Related Videos
Andre Meister (netzpolitik.org): „Haben nur unsere Pflicht getan“
Das kann man wohl „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ nennen – zwei Journalisten von netzpolitik.org wird von der Generalbundesanwaltschaft Landesverrat vorgeworfen. Blogger Andre Meister und Netzpolitik-Chefredakteur Markus Beckedahl wird vorgeworfen, geheime Dokumente über geheimdienstliche Überwachungsmethoden im Internet, die ihnen zuvor von einem Whistleblower zugespielt wurden, veröffentlicht zu haben.
Markus Beckedahl (netzpolitik.org) über kritische Blogs
Gegen Markus Beckedahl, Blogger und Gründer von netzpolitik.org, wird wegen Landesverrats ermittelt. Der Vorwurf: Die Veröffentlichung interner Verfassungsschutz-Dokumente. Ein Interview mit dem Chefredakteur und Angeklagten:
"Wer hat die Deutungshoheit?" – Alexander von Streit über einen neuen Journalismus
Steckt der Journalismus in der Krise – und wenn ja, wie tief? "Journalisten sind nicht mehr die Einzigen, die entscheiden, ob etwas stimmt oder nicht stimmt", sagt Alexander von Streit (Krautreporter). Muss einem das Angst machen? Nein – im Gegenteil.
Björn Staschen (NDR) zu Fake News: Facebook in die Pflicht nehmen
"Populismus muss man entlarven durch Fakten und Gegenrede". Björn Staschen ist Leiter des „Next News Lab“ des NDR. Im Interview spricht er über die inhaltliche Verantwortung von Facebook und Twitter und über die Bedeutung von Zivilcourage im Netz.
Meinungsmache im Netz - Wie mächtig sind soziale Medien?
Stimmt es, dass Donald Trump ohne Twitter und Fake News nie gewählt worden wäre? Und was könnten Social Media-Phänomene wie Filterblasen und Fake News für den Wahlkampf in der Bundesrepublik bedeuten? Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen von Königslöw und Politologe Andreas Jungherr sprechen über Phänomene der sozialen Medien und darüber, wie ein kompetenter Umgang mit diesen möglich ist.
Verschwörungstheorien und Fake News als Wahlkampfmittel
Obama ist nicht in den USA geboren. Den Klimawandel gibt es nicht: mit solchen Verschwörungstheorien ist der künftige US-Präsident Donald Trump erfolgreich auf Wählerfang gegangen. Auch in Europa werden Verschwörungstheorien und Falschmeldungen – sogenannte Fake-News – zunehmend als Wahlkampfmittel eingesetzt. Warum wird die Wahrheit abgeschafft und was bedeutet das für künftige Wahlkämpfe? Drei Wissenschaftler kommentieren und erklären.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
Moscow-Gay-Pride – „Das war wie Krieg.“
Die niederländische Europa-Abgeordnete Sophie in ´t Veld und die Gay-Pride in Moskau.
Augenzeugen-Bericht: „Ukrainer haben mich beschossen!“
Wie lebt man im Krieg? Nikolai Voronin wohnt in der hart umkämpften Stadt Donezk. Obwohl er selbst unter Beschuss geriet, hat er die Hoffnung auf Frieden nicht aufgegeben. Im Skype-Talk berichtet er vom Leben zwischen Kugelhagel, Granateinschlägen und Schutzbunkern.
So hat das Peng! Kollektiv die Rüstungsindustrie verarscht
Und der Preis für Frieden und Sicherheit geht an: Thyssenkrupp Marine Systems. Aber liefern die nicht U-Boote in Kriegsgebiete? Genau! Jessica Gräber vom ‚Peng! Kollektiv‘ spricht über die Aktionen gegen Waffenexporte und warum wir mehr zivilen Ungehorsam wagen sollten.
theorien erleben ein Comeback" – Experte Butter im Interview">
"Verschwörungs-
theorien erleben ein Comeback" – Experte Butter im Interview
Im Internet verbreiten sich immer mehr Verschwörungstheorien und Fake News. Was tun? "Es ist unglaublich schwierig, in diese Filter-Blasen hineinzukommen", sagt Professor Michael Butter. Interview über das Comeback kruder Ansichten und die Frage, ob wir in einem "postfaktischen Zeitalter" leben.
Alex Diehl mit "Nur ein Lied" beim ESC
Nun nimmt der Songwriter mit seinem Facebook-Hit „Nur ein Lied“ am ESC-Vorentscheid teil.
Schlagersänger Dagobert: "Sehne mich nach meiner eigenen Welt"
Dagobert ist ohne Frage ein kurioser Typ. Einer derjenigen, die ihren Weg konsequent gehen und im Zweifel, wenn die Strategie nicht aufgeht, irgendwann einfach abhauen „und zwar komplett“. Das behauptet er zumindest im Skype-Interview auf dbate.de. In diesem Sinne ist sein zweites Album „Afrika“ (2015) mehr als nur eine Metapher - es ist auch eine Exit-Strategie.