Interview Özcan Mutlu: „Yücel ist ein Pfand der türkischen Regierung“
Interview Özcan Mutlu: „Yücel ist ein Pfand der türkischen Regierung“
Der inhaftierte Journalist Deniz Yücel muss in Untersuchungshaft. Diese Meldung sorgte Anfang der Woche in Deutschland für Bestürzung und Unverständnis. Auch für den Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu (Bündnis 90 / Die Grünen) ist das Vorgehen der türkischen Behörden ein Skandal. Er vermutet, dass Ankara Yücel als „Pfand benutzt – für irgendeinen Deal mit Deutschland, Berlin oder Frau Merkel.“
Pressefreiheit sei ein hohes Gut und der Grundpfeiler der Demokratie – dafür, so Özcan, müsse man sich einsetzen. Auch er verlangt die Freilassung von Deniz Yücel und allen weiteren inhaftierten Journalistinnen und Journalisten in der Türkei. Denn Yücel ist aktuell zur Symbolfigur geworden, doch nicht der einzige inhaftierte Journalist in der Türkei. Vergangene Woche ist Mutlu in die Türkei geflogen, um sich für die Freilassung von Deniz Yücel vor Ort einzusetzen. Leider sind seine Bemühungen, Yücel im Polizeigewahrsam in Istanbul zu besuchen ohne Erfolg gewesen. Die türkische Regierung hat auf die mehrfache Besuchsanfrage der deutschen Botschaft in Ankara nicht reagiert. Jedoch konnte sich Mutlu vor Ort einen Eindruck von den Haftbedingungen machen, bevor gegen Yücel Untersuchungshaft beantragt wurde: „Keine warmen Mahlzeiten, keine warmen Getränke; eine klitzekleine Zelle in der bis zu 3-4 Personen untergebracht sind.“
Mutlu: „Erdogan würde ein Einreiseverbot nach Deutschland instrumentalisieren“
Die Inhaftierung von Deniz Yücel belastet das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Berlin und Ankara. Nun wurde auch der deutsche Botschafter Martin Erdmann in Ankara einbestellt. Ein abgesagter Auftritt des türkischen Justizministers in Gaggenau erregte den Unmut der türkischen Regierung. In Deutschland diskutiert man, ob es richtig sei, Erdogan die Bühne zu bieten, um hier Wahlkampf für sein Referendum zu betreiben. Özcan Mutlu warnt vor den Folgen, sollte man Erdogan die Einreise verbieten.
Veröffentlicht am: 03.03.2017 in Interview
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