Interview "Es ist eine gefährliche Zeit" – Schauspieler Kai Schumann
Interview "Es ist eine gefährliche Zeit" – Schauspieler Kai Schumann
Flüchtlingskrise, Brexit, Terror: die Geschwindigkeit der Ereignisse überholt, so der Eindruck, unsere Fähigkeit diese mit nötiger Besonnenheit zu verarbeiten. Gerät die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen: oder verkennen wir die ’seligen Zeiten‘ in einer selbstkonstruierten Hysterie? Im Interview spricht der Schauspieler Kai Schumann über den Rechtspopulismus der AfD, ein kaltes Klima der Angst und warum der Begriff ‚Flüchtling‘ falsch ist.
„Ich bin enttäuscht vom trägen Verhalten meiner Kollegen und der Branche.“ Der Schauspieler Kai Schumann berichtet in einem sehr persönlichen Interview davon, dass aus großer Beliebtheit auch eine große Verantwortung erwächst und ermuntert seine Kollegen, den gesellschaftlichen Diskurs mitzugestalten. Schumann sieht in der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft die Gefahr einer Verschärfung von Gewalt, Not und Elend – und das nicht nur vor den Toren der „Festung Europas“. Angeheizt durch „billigen Populismus“ der AfD, leben wir laut Schumann in einer „gefährlichen Zeit“, die ihn durchaus an die düsteren Vorzeichen der Weimarer Republik erinnert. Die „große Gereiztheit“, wie sie einst Thomas Mann im ‚Zauberberg‘ beschrieb, treibt auch Schumann um. Diese Stimmung finde man vor allem in den Sozialen Medien: auch „Hass-Kommentare auf Facebook sind Gewalt!“ Doch wie können wir Fremdenhass wirksam bekämpfen?
Im Interview mit Denise Jacobs spricht Kai Schumann über ein egoistisches Klima in Europa, die Gefahr von rechtem Populismus und erklärt, warum wir eine neue Kultur der Offenheit und Nächstenliebe brauchen. Seit 2013 spielt der Schauspieler in der Fernsehserie „Heldt“ (ZDF) den Kriminalkommissar Nikolas Heldt. Seinen Durchbruch hatte er als ‚Dr. Mehdi Khaan‘ in der Serie „Doctor’s Diary“ (RTL).
(Das Interview mit Kai Schumann haben wir am 25. Juni 2016 geführt.)
Veröffentlicht am: 26.07.2016 in Interview
Related Videos
"AfD ist kein Ost-Phänomen" - Politikwissenschaftler Minkenberg
Wie erklärt sich der rasante Aufstieg der AfD? Und was bedeutet dieser für die etablierten Parteien? Steht Deutschland vor einem politischen Wandel? Politikwissenschaftler Prof. Michael Minkenberg, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), beobachtet seit Jahren rechte Parteien in Europa. Interview über den Erfolg der AfD, die Rolle der Medien und die Bundestagswahl 2017.
"Ich trage doch keinen Sprengstoffgürtel" - Michel Abdollahi
Eines hat Michel Abdollahi ganz sicher nicht: Berührungsängste. Kaltschnäuzig, frech und immer mit einer Prise Humor macht der NDR-Journalist seinen Job. Und den macht er offensichtlich gut. Für seine viel beachtete Reportage "Im Nazidorf" aus dem mecklemburgischen Jamel und für seine provokanten Straßenumfragen ("Ich bin Muslim. Was wollen Sie mir sagen?") ist Abdollahi 2015 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Wir haben mit ihm über den Islam, Dialog mit Nazis und fehlende Haltung von Journalisten gesprochen.
"Ignorieren der AfD bringt nichts!" - Antje Kapek (GRÜNE)
Viele Politiker haben ernsthaft gedacht, das Ignorieren der AfD funktioniere. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz haben sie eines Besseren belehrt. Wenn ignorieren nichts bringt, wie müsste man dann mit der AfD reden? Wir haben mit der Grünen-Politikerin Antje Kapek über die Dialog mit der AfD, die Folgen der Landtagswahlen und die Bundestagswahl 2017 gesprochen.
„Rechts, zwo, drei – driftet Europa ab?“ (Ausschnitt)
Am Dienstag, 5.4.2016, um 20.15 Uhr sendet ARTE die 90-minütige Dokumentation „Rechts, zwo, drei – driftet Europa ab?“ von ECO Media, Kobalt und SPIEGEL TV. Ab Mittwoch, 6.4.2016 ist der von ECO Media produzierte Teil der Dokumentation zu den rechtspopulistischen Strategen in Deutschland, Frankreich und Polen außerdem hier auf dbate.de zu sehen.
Armin Rohde über die AfD, Hate-Crime und Til Schweiger
"Ich mach Dich platt. Du wärst schon der Dritte" - mit solch heftigen Anfeindungen ist Schauspieler Armin Rohde im Netz konfrontiert. Der Grund? Er engagiert sich in den sozialen Medien lautstark gegen rechte Hetzer. Wir haben mit ihm über die AfD, Hasskommentare und seinen Kollegen Til Schweiger gesprochen.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
Interview: Ströbele fordert mehr Schutz für Whistleblower
Werden Whistleblower, die Missstände und kriminelle Machenschaften aufdecken, in Deutschland genügend geschützt? Nein, meint Hans-Christian Ströbele von Bündnis90/Die Grünen. Bereits 2014 hat er zusammen mit der Grünen-Fraktion einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Passiert ist bislang nichts. Die mangelnde Gesetzeslage widerspricht laut Ströbele sogar EU-Vorgaben. Als Hemmschuh sieht er vor allem zwei – die Unternehmen und die CDU.
Greenpeace: "Merkel muss Diesel-Ausstieg zur Chefsache machen"
Dieselgate, Dieselgipfel, Abgaskartelle – was steckt eigentlich hinter diesen ganzen Begriffen? Für Benjamin Stephan von Greenpeace eindeutig: Das Versagen der Politik. Im dbate-Interview erklärt er, warum das Thema für Verbaucher wichtig ist und Angela Merkel es nicht unter den Teppich kehren darf.
Yanis Varoufakis - Europas Retter?
Er ist zurück. Nicht als Minister, sondern als Aktivist. Yanis Varoufakis hat das europäischen Netzwerk "DiEM25" gestartet. Daher zeigt dbate erneut das Interview mit Varoufakis von Juli 2015 - als Langfassung
Soziale Medien und Meinungsbildung – Stimmen vom #vid16
Du bist, was Du liest! Spätestens die US-Wahlen haben gezeigt, dass die sozialen Medien ein wichtiges Instrument im Wahlkampf sind. Vermutlich sind die digitalen Technologien sogar wahlentscheidend gewesen. Vom arabischen Frühling hin zur amerikanischen Eiszeit – sind soziale Medien nun Fluch oder Segen für die Demokratie?
#Corona-Interview: Nils Wülker über Corona und Jazz
Jazztrompeter Nils Wülker nutzt die aktuelle Zeit zum Komponieren und Arrangieren. Auf das erste Konzert nach der Corona-Krise freut er sich jetzt schon.
"In was für einer Welt wollen wir leben?" – Seyran Ateş zum Burka-Verbot
Belgien und Frankreich haben es schon getan. Jetzt wird auch in Deutschland diskutiert: Ist ein Burka-Verbot sinnvoll oder nicht? Ginge es nach der deutsch-türkischen Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş, dann sollte Frauen in Deutschland das Tragen der Burka verboten werden: "Für mich ist das ein Problem mit der Menschenwürde. Ich kriege das nicht vereinbart." Interview mit einer Muslima über Verschleierung und Islamismus.