Interview Snowden-Vernehmung: „Armutszeugnis für die Regierung“ – Konstantin von Notz (GRÜNE)
Interview Snowden-Vernehmung: „Armutszeugnis für die Regierung“ – Konstantin von Notz (GRÜNE)
Wird Edward Snowden in Berlin vernommen oder nicht? Die Vertreter der Opposition im NSA-Untersuchungsausschuss haben mehrfach gefordert, den Whistleblower Snowden als Zeugen zu laden. Der Bundesgerichtshof entschied, dass dieser Forderung stattzugeben sei. Doch die Vertreter der Großen Koalition im Ausschuss stellen sich weiterhin quer. Wie geht es für Edward Snowden weiter? Interview mit Konstantin von Notz (MdB, GRÜNE) Mitglied im NSA-Untersuchungsausschuss.
Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) setzt sich vehement für eine Anhörung Snowdens vor dem NSA-Untersuchungsausschuss ein. Die Große Koalition aus SPD und Union hatte eine Einladung des ehemaligen CIA-Mitarbeiters bislang blockiert. Doch nun hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass der NSA-Untersuchungsausschuss Snowden vorladen darf. Ein bedeutender Teilerfolg für die Opposition. Aber warum hat Snowden eine mögliche Anhörung aus Russland via Video zuletzt ausgeschlagen? „Wir funktionieren wie ein Gericht – wie ein Gerichtsverfahren – Zeugen kommen, um unter Wahrheitspflicht auszusagen. Es ist kein Talk wie ein Skype-Gespräch“, so der Grünen-Politiker im Interview.
Kommt Snowden nach Berlin zum NSA-Untersuchungsausschuss?
Selbst wenn er könnte, würde der in den USA angeklagte Snowden überhaupt nach Deutschland kommen? Die Bundesregierung hatte eine Einladung Snowdens immer wieder mit dem Argument, sie müsse den ehemaligen CIA-Mitarbeiter gegebenenfalls an die USA ausliefern, abgelehnt. „Meiner Ansicht nach ist das ein Popanz. Ich glaube, wenn Snowden in Deutschland wäre, wäre er sicher“, sagt von Notz und ergänzt: „Ich glaube nicht, dass die Amerikaner versuchen würden, ihn zu entführen. Das halte ich für Gangster-Geschichten.“ Für den Politiker, der für die Grünen im Bundestag sitzt, ist der Umstand, dass Snowden sich seit Jahren ausgerechnet bei Waldimir Putin verstecken muss, ein klares „Armutszeugnis für die Bundesregierung“.
Konstantin von Notz kritisiert Wikileaks-Veröffentlichungen
Doch neben der Frage, ob Snowden in Berlin vernommen werden soll oder nicht, hatten zuletzt via Wikileaks veröffentlichte und als geheim eingestufte Dokumente für Aufsehen gesorgt. Im NSA-Untersuchungsausschuss selbst scheint es Whistleblower zu geben. Die Wikileaks-Veröffentlichungen kritisiert von Notz scharf: „Das ist ein ziemlich misslicher Vorgang. Parlamentarische Kontrolle und das Öffentlichmachen jeglicher Dokumente – das sind zwei Paar Schuhe.“ Solche „blinden Leaks“ sind, so von Notz, kontraproduktiv für die Arbeit des Ausschusses.
Veröffentlicht am: 07.12.2016 in Interview
Related Videos
Amüsant: Snowden über Passwort-Sicherheit
Ein amüsantes Gespräch: Edward Snowden spricht im Interview mit Komiker John Oliver über Passwort-Sicherheit im Web.
And the Oscar goes to … Citizenfour!
Das hält Snowden von Donald Trumps Wahl
Nach der überraschenden Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, hat Edward Snowden seine Sicht der Lage kundgetan. Die starken Reaktionen auf das Wahlergebnis sieht er als Beweis, dass den Menschen Politik nicht egal ist.
Interview: Ströbele fordert mehr Schutz für Whistleblower
Werden Whistleblower, die Missstände und kriminelle Machenschaften aufdecken, in Deutschland genügend geschützt? Nein, meint Hans-Christian Ströbele von Bündnis90/Die Grünen. Bereits 2014 hat er zusammen mit der Grünen-Fraktion einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Passiert ist bislang nichts. Die mangelnde Gesetzeslage widerspricht laut Ströbele sogar EU-Vorgaben. Als Hemmschuh sieht er vor allem zwei – die Unternehmen und die CDU.
Laura Poitras über Citizenfour
Interview mit Regisseurin Laura Poitras über ihren Snowden-Film "Citizenfour".
Apple-Chef Tim Cook vs. FBI
FBI-Spähsoftware auf iPhones? Das geht Apple-Chef Tim Cook zu weit. Er stellt sich damit gegen die öffentlich gewordenen Forderungen vom US-Geheimdienst FBI. Wir zeigen ein ABC-Exklusiv-Interview mit dem Apple Chef.
Internetbotschafterin Joost (SPD): Google und die Daten
Internetbotschafterin Joost über Google und die Snowden-Affäre.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
#Corona-Interviews: Julia Jaki über die Lage in Südafrika
Die Journalistin Julia Jaki berichtet von einer steigenden Frustration der Bevölkerung in Südafrika, die sich seit Ende März in einem Lockdown befindet.
Konrad Adam (AfD-Gründungsmitglied) über die AfD
Konrad Adam ist so etwas wie der "geistige Vater" der AfD. Gemeinsam mit Bernd Lucke gründet er den eurokritischen AfD-Vorreiter "Wahlalternative 2013". Doch anders als Lucke, hat Adam der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" nicht abgeschworen. Bis Juli 2015 war er sogar einer von drei Bundesvorsitzenden der Partei. Wie tickt Konrad Adam wirklich? Wie steht er zum Rechtsruck in der AfD? Ein Interview über angebliche Rassenunterschiede, Flüchtlinge und die Zukunft der AfD.
Jakob Augstein: "Die AfD ernst nehmen!"
Beschreiben, was ist. Und Distanz halten. Das gilt auch für den Umgang mit den Rechtspopulisten der AfD, so der Journalist und Verleger Jakob Augstein. Interview bei der Jahrestagung Netzwerk Recherche.
Helmut Kohl über Helmut Schmidt
Politisch und persönlichen lagen Kohl und Schmidt während ihrer aktiven Zeit als Politiker weit auseinander. Und auf Distanz blieben sie auch danach. Helmut Kohl sagt in seinem letzten großen TV-Interview (2003): "Die Vorstellung, dass wir uns zusammensetzen und ein Glas trinken und mal ganz entspannt miteinander reden, diese Vorstellung hatte ich mit ihm eigentlich nie gehabt."
"Fake News ist ein untauglicher Begriff" - Medienkritiker Stefan Niggemeier
Auf seinem „BILDblog“ und mit dem Online-Portal „Übermedien“ verfolgt Medienkritiker Stefan Niggemeier immer wieder die Fehltritte seiner Kollegen. Wir haben ihn zur aktuellen Lage der Medien in Deutschland befragt.
Russland-Experte zum Ukraine-Konflikt: "Die EU hat Russland unterschätzt."
Russland-Experte Stefan Meister, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), glaubt: „Wir haben einen Konflikt mit einem System Putin, das viel mehr bedeutet als die Ukraine.“ Trotzdem sollte man Russland nicht verteufeln.