Doku Höllenhunde - Wie gefährlich sind Pitbull und Co?
Doku Höllenhunde - Wie gefährlich sind Pitbull und Co?
Wo sie zubeißen, hält kein Knochen stand. Dafür sind sie jahrhundertelang eigens gezüchtet worden. Doch heute sind die sogenannten Kampfhunde ein Problem für die Gesellschaft. Das liegt auch daran, dass viele Menschen nicht fähig sind, solche Hunde zu erziehen. Auffangstationen für solche Problem-Hunde platzen aus allen Nähten. Zeitgleich rollt der Nachschub: via Internet werden Pitbull und Co zu Dumpingpreisen bei dubiosen Züchtern in Osteuropa bestellt, die ihre Ware nach Westeuropa schmuggeln.
Vanessa Bokr ist Hundetrainerin und weiß, wie sich Bisse anfühlen. Neulich erst blutete sie im Gesicht, ein Hund hatte zugepackt, Berufsrisiko, „da habe ich einen Moment nicht aufgepasst“. Vanessa arbeitet mit auffälligen und gefährlichen Tieren. Ihre Auffangstation, die „Hellhounds Foundation“ in der Lüneburger Heide, ist für Problemhunde oft die letzte Chance, der Todesspritze durch einen Tierarzt zu entgehen. Von den 50 Hunden, die Vanessa und ihre Helferinnen betreuen, haben mehr als ein Dutzend schon Menschen angefallen. Sie versuchen, diese Hunde wieder zu resozialisieren, sie in den Griff zu bekommen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Es gibt Hunde, Vanessa nennt sie „Brecher“, die nie wieder unter Menschen kommen werden.
Bei „Murphy“ besteht aber noch etwas Hoffnung. Der Doggenmix terrorisierte seine Halter, biss sie, beide wussten nicht mehr weiter. Als „Murphy“ einen anderen Hund attackierte, gab es von Amtswegen nur die Wahl: ins Tierheim oder den Hund so trainieren, dass er einen Wesenstest besteht – den Test, der zeigen soll, dass der Hund wahrscheinlich keine Gefahr mehr darstellt. Der Tag, an dem Vanessa mit „Murphy“ zur Tiermedizinischen Hochschule Hannover fährt, um ihn dort von Experten testen zu lassen, wird ein Schicksalstag für Hund, Herrchen und Frauchen. Denn beide Halter wollen ihren „Murphy“ unbedingt zurück.
Schnelle Entsorgung bei Problemen
Nicht alle Besitzer von Kampfhunden hängen derart innig an ihrem Vierbeiner. Trotz (oder wegen) vieler Verbote in europäischen Ländern gelten Pitbull und Co als Statussymbol, über dessen richtige Erziehung viele Käufer sich wenig Gedanken machen. Wird der Hund zum Problemwesen, wird er kurzerhand entsorgt. Wenn er Glück hat, landet er im Tierheim oder bei Vanessa Bokr. Hat er Pech, wird er irgendwo an einen Baum oder eine Laterne angebunden.
Und der Nachschub rollt, täglich werden an der bayerischen Grenze Schmuggler erwischt, in deren Autos Dutzende Welpen jämmerlich eingepfercht sind, darunter auch Kampfhunde. Diese werden via Ebay bestellt und aus Osteuropa eingeführt. Obwohl das unter Strafe steht, brummt das Geschäft, denn in Westeuropa ist die Zucht meist untersagt, außerdem gibt es diese Hunde nirgends so billig. Bedeutet: viel Arbeit an der Grenze für Polizei, Veterinäramt und Tierheime. Die Zahl beschlagnahmter Hunde überfordert die Tierheime, die Unterbringungskosten allein im Landkreis Passau betragen jährlich weit über 100.000 Euro. Dabei sind die Behörden überzeugt: viele Schmuggler werden gar nicht erwischt, der Markt für den Pitbull-Import ist sehr groß.
Die ECO Media TV-Produktion „Höllenhunde – Wie gefährlich sind Pitbull und Co?“ wurde am 19. November 2018 als ARTE Re:-Reportage erstmals auf ARTE ausgestrahlt.
Veröffentlicht am: 27.06.2019 in Doku
Related Content
Ein Jahr im Stillstand. Ein Jahr Corona.
Das Videotagebuch „Ein Jahr im Stillstand. Ein Jahr Corona.“ zeigt die persönlichen Eindrücke, Gefühle und Gedanken verschiedener Personen im Frühjahr 2020.
ARTE Re: Konflikt unterm Kreuz - Reformdruck in der katholischen Kirche
Was ist schlimm daran, wenn eine Frau Brot und Wein austeilt, Ehen segnet, Kinder tauft? Frauen fordern von der katholischen Kirche Zugang zu geweihten Ämtern.
Unruhen in Uganda - Meine Hoffnung auf mehr Demokratie (Web-Doku)
Seit mehr als drei Jahrzehnten regiert Yoweri Museveni das ostafrikanische Land Uganda. Bei der diesjährigen Wahl fordert ihn Musiker Bobi Wine heraus.
Mit dem Van im Lockdown (Web-Doku)
Corona hält die Welt fest im Griff. Das mussten auch die zwei Globetrotter Patricia Bezzola und Stefan Linder erfahren., die aktuell in Argentinien festsitzen.
Wie tickt Ricarda Lang? - Ein Kurzporträt
Seit einem Jahr ist Ricarda Lang die stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Jetzt strebt die 26-jährige Schwäbin das nächste Amt an: Sie kandidiert für die Bundestagswahl 2021. Der Filmemacher Carl Exner hat die junge und ambitionierte Politikerin einen Tag im Berliner Sommer begleitet.
Meine Kunst für Trump (Web-Doku)
Jeff Sonksen hat seine Garage in ein Malstudio umgewandelt und entwirft dort Holzaufsteller von Politikern in Echtgröße. Sein Lieblingsmotiv: Donald Trump.
Mehr Videos aus dem Bereich Doku
Alpen in Gefahr – Der Klimawandel in den Schweizer Bergen
Der Temperaturanstieg in den Schweizer Alpen zwingt die Menschen zu einem rasanten Wandel. Während die einen an spektakulären Pisten-Projekten arbeiten, kämpfen andere mit den Folgen schmelzender Gletscher und gewaltiger Bergstürze, die ihre Existenzgrundlage bedrohen.
Trailer: Helmut Kohl - das Interview
Wer war Agent Werner Mauss? (Doku)
Werner Mauss, der lange als Agent für den Verfassungsschutz und den BND gearbeitet hat, muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Über 15 Millionen Euro soll der "deutsche James Bond" laut Anklage hinterzogen haben. Mauss weist alle Vorwürfte zurück.
Faszination Guinness – Die Jagd nach den Rekorden (Doku)
Das Guinness-Buch der Rekorde zählt zu den am meisten verkauften Büchern der Welt. Wer seinen Namen darin verewigen will, muss besonders Außergewöhnliches oder Skurriles leisten, und nicht selten bis an die Schmerzgrenze gehen. Doch was treibt diese Menschen an? Und welchen Regeln folgt die Jagd nach den Rekorden?
Digital Diary - Mein Krebstagebuch 3/4
Natalie Agustin erhält mit 25 Jahren die Diagnose Brustkrebs - und schaltet nur wenige Minuten später die Kamera an. Eine Kampfansage. Chemotherapie, Haarausfall, Übelkeit und sogar die Entfernung ihrer Brust - Natalie nimmt alles auf. Martin Stolle ist 18 Jahre alt, als er an Leukämie erkrankt. Seine Videos bieten ihm die nötige Ablenkung im Isolationszimmer, auch eine Möglichkeit, mit der Familie zu kommunizieren. Anders bei Luise Ganschor. Sie hat sich für das Bloggen entschieden, als sie erfahren hat, dass ihr Krebs nicht heilbar ist. Sie möchte ihrer Familie und ihren Freunden Videos hinterlassen und ganz persönlich Abschied nehmen. Der erfolgreiche Bratschist Francis Norman erzählt eine ganz andere Geschichte. Vor zehn Jahren hat er seinen Krebs besiegt. Er ist überzeugt: Geholfen hat ihm die Musik und sein Hobby Segelfliegen. Vor kurzem dann ein Rückschlag: Sein bester Freund erhält die Diagnose Leberkrebs – gemeinsam machen sie sich auf eine letzte Reise nach Afrika.
Mein Mexiko - Drogenkrieg, Gewalt und Korruption
Der mexikanische Drogenkrieg ist eine der blutigsten Auseinandersetzungen weltweit – über 70.000 Tote in zehn Jahren. Mord und Gewalt gehören zum Alltag. Durch Verstrickungen mit Drogenkartellen ist das Vertrauen in Politik und Polizei längst zerstört, unabhängige Berichterstattung unmöglich. Auch deshalb gehen immer mehr Mexikaner auf die Straße und protestieren gegen Gewalt und Korruption. Im Videotagebuch berichten junge Mexikaner von ihrem Leben zwischen Frust und Hoffnung.