Artikel Das Arschloch-Jahr: Hau ab, 2016!
Artikel Das Arschloch-Jahr: Hau ab, 2016!
Der dbate-Jahresrückblick

Der Tod von George Michael passt ins düstere Bild: 2016 war das Jahr, in dem bedeutende Popstars starben – Bowie, Prince, Cohen und jetzt eben George Michael. „2016 ist ein Arschloch“, so haben wir von dbate bei jedem gestorbenen Sänger geschrieben.
Aber 2016 wird nicht als das Jahr der toten Sänger in Erinnerung bleiben. Denn 2016 hat viel mehr zerstört als das Leben von Popstars. Die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, das Erstarken des Rechtspopulismus in vielen Ländern Europas – das alles macht 2016 eher zu einem üblen Jahr als der frühe Tod von Popidolen. Das Jahr 2016 hat den Menschen Angst gemacht. Und die Menschen haben sich Angst machen lassen. Und zwar sehr leicht.
Populisten nutzen Gunst der Stunde
Wenn man sich all die Videos und Interviews, die wir auf dbate während des Jahres 2016 veröffentlicht haben, einmal im Schnelldurchgang anschaut, dann werden da hässliche Muster deutlich: Die Angst vor Terroranschlägen wird in Deutschland von Populisten genutzt, um pauschal Angst vor Fremden zu schüren. In Großbritannien wird die Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang von Populisten genutzt, um auch die historische Angst vor den Deutschen neu aus den Kellern zu holen. Und Donald Trump hat die Angst seiner Landsleute vor Mexikanern so stark angefacht, dass ihnen der Bau einer Mauer (Hallo Berlin 1961!) als Rettung erscheint. Überall sind Angst-Kampagnen erfolgreich. Und soziale Netzwerke im Internet, eigentlich urdemokratische Plattformen zum Informations- und Meinungsaustausch, drohen als Herrschaftsinstrument zur Desinformation von machtgierigen Menschen wie Trump und Putin missbraucht zu werden. Auch kleine, miese Geschäftemacher – von den Betreibern einer auf Fake News spezialisierten Website in der mazedonische Provinz bis zu den Verschwörungstheoretikern von Breitbart in den USA – profitieren vom Geschäft mit der Angst. So wird das Jahr 2016 als das Jahr der großen Verunsicherung in Erinnerung bleiben. Auch in Deutschland.
Klima der Angst dominiert
Die Europäische Zentralbank hat vor wenigen Tagen aufschlussreiche Zahlen veröffentlicht: Die mittleren Haushalte Deutschlands verfügen über ein deutlich geringeres Vermögen als die Mehrzahl der 18 übrigen Euro-Länder. Deutschland gilt zwar mehr denn je als wirtschaftlicher Motor Europas. Doch zu viele Deutsche spüren davon: nichts. Die wachsende soziale Ungleichheit ist längst ein globales Problem, das auch vor Deutschland nicht halt macht. Aber der Erfolg der Angst-Kampagnen lässt sich nicht alleine den ungleichen Lebensstandards anlasten. In Deutschland sind etwas weniger als 6 Prozent der Erwerbspersonen arbeitslos gemeldet. Nur 6 Prozent. Verglichen mit den Arbeitslosenzahlen in Griechenland, Italien, Spanien ist das eine beneidenswerte niedrige Zahl. Und dennoch führen auch in Deutschland Angst-Kampagnen zur Verunsicherung der Bevölkerung – wie die Wahlerfolge der AfD bei sämtlichen Landtagswahlen des Jahres 2016 zeigen. Kleines Gedankenspiel: Wie viele Deutsche würden wohl bei der Bundestagswahl im Jahr 2017 eine rechtsextreme Partei wählen, wenn die Arbeitslosigkeit nicht so niedrig wäre wie im Moment, sondern, sagen wir mal, wie im Jahr 1933? Wer ist nach diesem Jahr 2016 sicher, dass sich Geschichte, unsere Geschichte, nicht wiederholt?
Das also ist das eigentliche Fazit des Jahres 2016: Zu viele Menschen lassen sich wieder Angst machen.
Daher: Hau ab, 2016! Ein solches Jahr kann uns gestohlen bleiben.
Wir von dbate freuen uns auf ein angstfreies, neues Jahr.
Veröffentlicht am: 27.12.2016 in Artikel
Zufällige Auswahl
6 Jahre nach Fukushima: Rückkehr oder Neuanfang?
Die japanische Regierung erlaubt Ende März die Rückkehr weiterer ehemaliger Bewohner der Region um Fukushima. Ein Jahr später sollen Entschädigungszahlungen wegfallen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace rät den Evakuierten davon ab, in die noch verstrahlte Gegend zurückzukehren. Jan Vande Putte (Greenpeace Belgien) arbeitet im Augenblick in der Fukushima Präfektur und berichtet von den Ängsten der Bürger und den ‚strahlenden‘ Zukunftsaussichten durch den Reaktorunfall.
Das Trauma von 9/11
Diese New Yorker beschreiben die Einschläge der Flugzeuge, die Flucht aus den Hochhäusern, den Einsturz der Gebäude und die Panik.
USA: Schlägerei zwischen Fans und Gegnern von Trump
Bei einer Pro-Trump-Demonstration in Huntington Beach (US-Bundesstaat Kalifornien) ist es zu Prügeleien zwischen Fans und Gegnern von Trump gekommen. Wie Videoaufnahmen zeigen, sind zahlreiche Trump-Anhänger von Gegendemonstranten – teilweise gewalttätig – attackiert worden. Diese wiederum ließen das nicht auf sich sitzen und schlugen zurück. Mehrere Personen wurden verletzt, Pfefferspray wurde eingesetzt.
Das große (Arbeits-)Los 5/5 – Teepeeland
Es ist eine andere Welt – das „Teepee Land“ mitten in Berlin. Die Zeltstadt liegt versteckt auf einem verwahrlosten Grundstück am Ufer der Spree. In der Kommune gibt es nur eine Regel: „Kein harter Alkohol, keine Drogen“.
ESC 2016: Interessiert Euch das?
Am Samstag ist es soweit: das große Finale des Eurovision Song Contest 2016 findet in Stockholm statt. Doch wer interessiert sich überhaupt für das Event? Und wisst Ihr, wer Deutschland beim ESC 2016 vertritt? Wir haben uns in Hamburg umgehört.
Das deutsche Vietnam – Einsatz im Irak (probono Magazin)
Kurz vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages, genehmigt die alte Bundesregierung schnell noch einen Auslandseinsatz der Bundeswehr in Irak. Damit setzt sie sich ins Wespennest des Nahen Ostens.
Weitere dbate Artikel
Truthahn im All: So feiern Astronauten Thanksgiving
Thanksgiving wird in Amerika groß gefeiert. Doch fernab der Erde gibt es das Fest sogar auch: Auf der internationalen Raumstation ISS. Doch wie bereiten die NASA-Astronauten das traditionelle Essen in völliger Schwerelosigkeit zu? Die NASA zeigt in einem Video, wie es funktioniert.
Homosexualität und Religion: Wie tolerant sind Juden und Muslime?
Zwei schwule Männer treffen aufeinander: Der eine ist Jude, der andere ehemaliger Muslim. Es entwickelt sich ein Gespräch über Toleranz in der Religion gegenüber Homosexualität, und über Freiheit und Heimat.
Streit um Jerusalem eskaliert: Hamas ruft zu Intifada auf
US-Präsident Donald Trump bringt das Fass im Nahen Osten zum überlaufen: Er hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Diese Entscheidung bleibt nicht ohne Reaktionen. Nicht nur Muslime fühlen sich der schon lange zerrissenen Stadt entmachtet. Auch die radikal-islamische Hamas hat Trump geweckt. Diese kündigt gewaltsamen Aufstände der Palästinenser an.
Partyboot: DJ und Gäste verarschen syrische Flüchtlinge
Der DJ des „Partyboots“ bittet um Ruhe. Er kündigt eine Schweigeminute für syrische Flüchtlinge an. Dann sagt er, dass er die syrische Nationalhymne spielen wolle. Was dann folgt ist, lässt einem die Röte ins Gesicht steigen: die Mini-Schweigeminute wird sofort unterbrochen – doch statt der Nationalhymne Syriens dreht der DJ den Popsong „Runaway“ (Galantis) auf.
So heftig wütet Hurrikan Maria in Puerto Rico
Nach dem Hurrikan Irma fegt nun Maria mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern über die Karibik. Auf Puerto Rico sollen neun Menschen gestorben sein. Augenzeugenvideos zeigen die zerstörerische Kraft des Wirbelsturms.
Schwerpunkt: Blockupy EZB
– Skype-Talk: „Die EZB ist vom Retter zum Monster geworden“
– Skype-Talk: „Troika ist nicht demokratisch legitimiert“
– Flash: EZB-Eröffnungsfeier: Rede von Mario Draghi
– Flash: Frankfurt im Ausnahmezustand