Interview Eva Horn (SPON): Wirtshaus war auch schon Filterblase
Interview Eva Horn (SPON): Wirtshaus war auch schon Filterblase
Echokammern oder Filterblasen in Sozialen Netzwerken sind keineswegs neue Phänomene: „Wenn du früher ins Wirtshaus gegangen bist und da sitzen nur Leute wie Du, dann kann mir keiner erzählen, dass das keine Filterbubble war.“ Eva Horn, Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online, über Hetze im Netz und warum wir öfter mal die Kirche im Dorf lassen sollten.
Ein neuer Angstbegriff geht um in den Medien: die Filterblase. Ist sie Schuld am Vormarsch rechter Kräfte in Europa, hat sie gar den Wahlkampf in den USA entschieden? Scheint es nur so, als ob derzeit immer mehr Menschen immer radikalere Positionen in immer raueren Tönen vertreten – oder ist es wirklich so? Und warum haben die Rechtspopulisten viel besser verstanden, wie Social Media funktioniert? „Populisten können auf die Kacke hauen, ernsthafte Parteien können das nicht – und das können sie auch aus gutem Grund nicht“, sagt Eva Horn. Klar, kompliziertere Sachverhalte sind natürlich nicht so schön teilbar, nicht so sharable. Schwarz oder Weiss? Von den ganzen Graustufen lässt man am Stammtisch – ob digital oder analog – lieber die Finger. Ist ja auch eine reizarme Farbe.
Demokratie am Scheideweg? Ist die Filterblase ein Brandbeschleuniger?
Es scheint, als stünde die Demokratie an einem Scheideweg, an dem man sich zwischen Vertrauen in die klassischen Medien, in ‚die da oben‘ und einer (unbequemen) Freiheit an bürgerschaftlicher Beteiligung entscheiden müsse. Auf der einen Seite herrscht schiere Panik – auf der anderen flammende Wut. Vielleicht sollten sich alle mal wieder ein bisschen runterkochen, rät Eva Horn. Denn es gibt schließlich auch noch unzählige vernünftige Stimmen, die man – bei aller erhitzter Debatte zwischen den Fronten – nicht vergessen sollte.
dbate-Reporterin Denise Jacobs hat sich auf dem VOCER Innovation Day in Hamburg umgehört. Ist es reine Unternehmensideologie, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, in dem sich Demokratie besser entfalten kann als in traditionellen Institutionen? Facebook-Gründer Marc Zuckerberg verneinte zunächst den Vorwurf, dass Fake News den Wahlsieg von Donald Trump beeinflusst hätten. Jetzt lenkt er ein und entschloss sich kurzerhand doch für Maßnahmen gegen Falschmeldungen. Auf dem VOCER Innovation Day suchen Journalisten und Medienexperten nach Antworten auf diese drängenden Fragen?
Gemeinsam mit namhaften Praktikern aus dem In- und Ausland, erfahrenen Coaches und engagierten Teilnehmern hat sich der VOCER Innovation Day vorgenommen, innovative Konzepte für den Journalismus von morgen zu entwickeln. Denn: Die einzige Konstante im Journalismus ist die Veränderung. Der VOCER Innovation Day 2016 spürte den neuesten internationalen Trends nach und stellte in Talks und Sessions Fragen, die für die gesamte Branche – und Ihre Rezipienten – relevant sind: Wie kommunizieren Bots mit den Lesern? Wann schafft VR den Durchbruch? Und wie kommt das Neue in den Journalismus?
Veröffentlicht am: 08.12.2016 in Interview
-
Patrick Haram
Related Videos
Janko Tietz (SPON) über Populismus und Soziale Medien
Was können Journalisten hierzulande besser machen, um die Leser nicht an Falschmeldungen und postfaktische Online-Lektüre zu verlieren. Was müssen IT-Konzerte unternehmen und ist Donald Trump ein reines Social-Media-Phänomen? Wir erleben den rasanten Aufstieg einer Teilöffentlichkeit im Netz, einer Eigendynamik, die mit Journalismus nur noch wenig zu tun hat – und kaum zu kontrollieren ist. Aber hat der Journalismus deswegen versagt? Nein, sagt Janko Tietz, aber er habe wohl möglich eine Entwicklung verschlafen.
Soziale Medien und Meinungsbildung – Stimmen vom #vid16
Du bist, was Du liest! Spätestens die US-Wahlen haben gezeigt, dass die sozialen Medien ein wichtiges Instrument im Wahlkampf sind. Vermutlich sind die digitalen Technologien sogar wahlentscheidend gewesen. Vom arabischen Frühling hin zur amerikanischen Eiszeit – sind soziale Medien nun Fluch oder Segen für die Demokratie?
"Wer hat die Deutungshoheit?" – Alexander von Streit über einen neuen Journalismus
Steckt der Journalismus in der Krise – und wenn ja, wie tief? "Journalisten sind nicht mehr die Einzigen, die entscheiden, ob etwas stimmt oder nicht stimmt", sagt Alexander von Streit (Krautreporter). Muss einem das Angst machen? Nein – im Gegenteil.
Kathrin Weßling: "Social Media ist meine erste Informationsquelle"
Beim VOCER Innovation Day 2015, der am 20. Juni im SPIEGEL-Haus in Hamburg stattgefunden hat, konnte man Kathrin Weßling zusammen mit Daniel Bröckerhoff bei einem Workshop erleben
Stephan Weichert (VOCER): Wie Social Bots die Politik verändern
Bei Social Bots geht es darum, "Massen zu mobilisieren oder eine bestimmte Stimmung wieder zu geben, die so durch Menschenhand gar nicht existieren würde", sagt Stephan Weichert. Er ist VOCER-Herausgeber und Professor für Journalismus und Kommunikationswissenschaft. Im Interview spricht er über die Gefahr von Tarn- und Fake-Accounts für die Demokratie.
Björn Staschen (NDR) zu Fake News: Facebook in die Pflicht nehmen
"Populismus muss man entlarven durch Fakten und Gegenrede". Björn Staschen ist Leiter des „Next News Lab“ des NDR. Im Interview spricht er über die inhaltliche Verantwortung von Facebook und Twitter und über die Bedeutung von Zivilcourage im Netz.
Mehr Videos aus dem Bereich Interview
Olympia 2018: "Alle Sportler sind gleich – nur die Russen sind gleicher"
Russland wird bei den olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea mit neutraler Flagge antreten. Die Folgen des Doping-Skandals. Doch die Russen sind mit einem blauen Auge davongekommen, sagt ARD-Journalist Hajo Seppelt im dbate-Interview. Er vermutet einen dreckigen Deal zwischen IOC und Russland.
#Corona-Interview: Alexander Kluge über Corona, Krieg und blauen Himmel
Im Gespräch mit Stephan Lamby spricht Alexander Kluge über die Notausgänge von Marcel Proust, Charakter-Eigenschaften des Virus, und Oper.
Mit Satire gegen Rechts: Wer ist eigentlich Storch Heinar?
Wahlkampfzeit ist Storchenzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Seit neun Jahren zieht „Storch Heinar“ dort seine Kreise, um den Einzug rechter Parteien in den Landtag zu verhindern. Was die „Thor Steinar“-Satire auslösen kann, das erklärt Projektleiter Julian Barlen im Interview.
#Corona-Interviews: Ulrike Langer über Corona und Trumps Wiederwahl
Die Journalistin Ulrike Langer berichtet aus Seattle von den unterschiedlichen Strategien der Bundesstaaten im Kampf gegen das Virus.
"Fake News ist ein untauglicher Begriff" - Medienkritiker Stefan Niggemeier
Auf seinem „BILDblog“ und mit dem Online-Portal „Übermedien“ verfolgt Medienkritiker Stefan Niggemeier immer wieder die Fehltritte seiner Kollegen. Wir haben ihn zur aktuellen Lage der Medien in Deutschland befragt.
Beatrix von Storch (AfD): "Merkel lässt Menschen erschießen"
„Das war ein Fehler“ – Beatrix von Storch bereut ihre umstrittene Aussage zum Schießbefehl an deutschen Grenzen. Doch jetzt provoziert die AfD-Politikerin erneut: An EU-Außengrenzen würden schon längst Flüchtlinge erschossen. Verantwortlich sei dafür Angela Merkel höchstpersönlich. Ein dbate-Interview über kalkulierte Eskalation, die Bundestagswahl und die Ehe für alle.