Artikel „So habe ich das Interview mit Jan Böhmermann gefaket“
Artikel „So habe ich das Interview mit Jan Böhmermann gefaket“
„So habe ich das Interview mit Jan Böhmermann gefaket“ – Exklusiv-Interview mit BILD-Herausgeber Kai Diekmann über falsche Interviews und die angebliche Geliebte von Helmut Kohl
Ein strahlender Frühlingstag in Potsdam. Kai Diekmann empfängt uns in seinem Privatanwesen am Jungfernsee. Im weitläufigen Garten hinter der Villa blühen die Tulpen, Vögel zwitschern, der Rasen sprießt. Diekmann sitzt ganz entspannt in einem Gartenstuhl genießt die warmen Sonnenstrahlen. An seiner Seite: Ehefrau Katja, liebevoll lässt sie ihren Kai nie aus den Augen. Sie wird wissen, warum: Noch nie hat Kai Diekmann Journalisten, die nicht bei BILD angestellt sind, so nah an sich heran gelassen. Aber es gibt ja auch viel zu besprechen in diesen unruhigen Tagen.
dbate: Warum haben Sie das Interview mit Jan Böhmermann erfunden? Ging es Ihnen nur um Aufmerksamkeit?
Kai Diekmann (empört): Moment mal, um eines von Anfang an klarzustellen: Wir haben das Interview nicht auf BILD veröffentlicht. Ich habe es ja nur auf meine private Facebook-Seite gestellt.
dbate: Stimmt, aber für die Öffentlichkeit sind Sie der starke Mann von BILD – und eben kein Privatmann.
Kai Diekmann: Auch ich habe ein Recht auf Privatleben. Und auf eine private Meinungsäußerung.
dbate: Das wollen wir Ihnen ja auch gar nicht nehmen. Aber Sie bei BILD freuen sich doch immer, wenn Leserreporter Prominente mit ihren Handykameras „abschießen“. Und jetzt reklamieren Sie ein Recht auf Privatleben…
Kai Diekmann: Nun macht Euch mal locker. Das war ja nur ein Scherz.
Ehefrau Katja erhebt sich, sie gießt etwas Kaffee nach, tätschelt ihrem Kai sanft die Wange.
dbate: Wir wissen bei Ihnen eben nie, ob Sie ernsthaft antworten oder ob die Antwort nur Satire ist. Schließlich haben ja auch viele ernsthafte Zeitungen wie die Süddeutsche ihr falsches Exklusiv-Interview mit Böhmermann thematisiert.
Kai Diekmann: Damit kann ich gut leben. Wir bringen bei BILD so viele verrückte Geschichten. Da finden wir es ganz gut, wenn man nie ganz sicher ist, ob etwas nun ernst gemeint ist – oder eben nicht.
dbate: Das haben Sie ja mit Jan Böhmermann gemeinsam.
Kai Diekmann: Stimmt. Aber ich möchte noch eins klarstellen: Wir haben viel mehr Prozesse am Hals als Böhmermann.
dbate: Standen Sie denn auch schon mal unter Polizeischutz?
Jetzt schaltet sich Ehefrau Katja ein. Sie erinnert ihren Kai daran, dass er den Kindern versprochen habe, ihnen bei den Schulaufgaben zu helfen.
dbate: Eine Frage hätten wir aber noch: Die BUNTE hat vor ein paar Tagen gemeldet, dass Helmut Kohl in den neunziger Jahren eine Geliebte hatte. Warum haben wir diese Geschichte nicht sofort in der BILD gelesen?
Kai Diekmann: Ich weiß genau, worauf Sie hinauswollen: Nur weil Helmut Kohl Trauzeuge bei unserer Hochzeit war (Ehefrau Katja blickt verzückt) und ich Trauzeuge bei seiner zweiten Hochzeit war, heißt das noch lange nicht, dass wir jedes Gerücht über ihn wiedergeben. Das entspricht einfach nicht dem Stil von BILD. Und zu Helmut Kohl: Er bleibt ein großer, starker Europäer – auch wenn er früher einmal schwach geworden sein sollte. Und ich bin ganz sicher: Die BUNTE hat die Geliebte von Helmut Kohl nur erfunden. Die wollte sich in den Böhmermann-Festspielwochen auch mal wieder ins Gespräch bringen.
Redaktionelle Anmerkung: Das Exklusiv-Interview mit Kai Diekmann zu seinem Exklusiv-Interview mit Jan Böhmermann und seinem exklusiven Trauzeugen-Verhältnis zu Helmut Kohl sollte eigentlich am 1. April veröffentlicht werden. Wegen der intensiven Abstimmung mit den Juristen des Springer-Konzerns über die Frage „Was darf Satire?“ hat sich die Veröffentlichung jedoch verzögert.
Veröffentlicht am: 15.04.2016 in Artikel
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