Interview „Friedensprozess mit Kurden scheint unmöglich“ – Türkei-Korrespondentin zum Istanbul-Terror

Interview „Friedensprozess mit Kurden scheint unmöglich“ – Türkei-Korrespondentin zum Istanbul-Terror

Fast 40 Menschen sind bei den jüngsten Bombenanschlägen im Istanbuler Stadtteil Besiktas getötet worden. Eine Splittergruppe der PKK bekannte sich zu dem Terrorakt. Die Reaktion des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan folgte prompt. Er ließ über 200 pro-kurdische Politiker festnehmen und kündigte „Rache“ an. Steht die Türkei jetzt vor einem Bürgerkrieg? Und wie reagieren die Menschen in Istanbul auf die erneute Gewalt? Interview mit der freien und in Istanbul lebenden Journalistin Kristina Karasu.

Zahlreiche Terroranschläge des „Islamischen Staates“ und kurdischer Terroristen mit insgesamt über 400 Toten, ein abgewendeter Militärputsch und ein dauerhafter Ausnahmezustand mit Massenverhaftungen – das Jahr 2016 hat die Türkei in seinen Grundfesten erschüttert. Und die Gewalt scheint derzeit, kein Ende zu nehmen. Bei dem jüngsten Doppelanschlag, zu dem sich die PKK-Splittergruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) bekannt hat, sind im Istanbuler Stadtteil Besiktas fast 40 Menschen ums Leben gekommen – darunter 30 Polizisten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Im dbate-Interview sagt die freie und in Istanbul lebende Journalistin Kristina Karasu: „Man hatte fast drauf gewartet, dass es wieder einen großen Anschlag gibt.“ Sind die Bewohner Istanbuls also schon an Terror gewöhnt? „Leider, ja. Ich merke das sogar selber an mir“, so Karasu.

Friedensprozess zwischen Türken und Kurden „einzige Möglichkeit“

Karasu sieht einen Friedensprozess zwischen Türken und Kurden als einzige Möglichkeit für dauerhaften Frieden in der Türkei. Doch der wird mit jedem Anschlag und jeder Vergeltungsaktion immer unwahrscheinlicher, meint die Journalistin Karasu: „Gerade die Verhaftungen von HDP-Politikern, die immer eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Regierung und PKK gespielt haben, scheint das unmöglich zu machen.“

Sorgt Erdogans harter Anti-Terror-Kurs also für mehr Stabilität oder befindet sich die Türkei wegen Erdogans Politik längst in einer kaum zu überwindenden Gewaltspirale? „Wer die Politik der Türkei in den letzten Jahrzehnten kennt, weiß, dass Verhaftungen – gerade von kurdischen Politikern – nie zu einer Schwächung der PKK geführt haben, sondern sie immer gestärkt haben“, so Karasu im Interview

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Kristina Karasu lebt in Istanbul und arbeitet seit 2010 als freie Journalistin u.a. für Deutsche Welle, ZDF, ARTE, ORF. Seit Februar 2014 ist sie zudem Türkei-Korrespondentin der europäischen Presseschau euro|topics. Mehr Infos zu Kristina Karasu gibt´s hier.

Veröffentlicht am: 12.12.2016 in Interview

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